Thüringen

Kofferbomben-Fall: Ermittler widersprechen Gericht

War die Autobombe von Obergebra gefährlich? Staatsanwaltschaft und Gericht sind in dieser Frage unterschiedlicher Auffassung.



Schild mit der Aufschrift «Justizgebäude»
Ein Schild mit der Aufschrift «Justizgebäude» am Landgericht Nürnberg. Foto: Daniel Karmann/Archiv  

Obergebra - Staatsanwaltschaft und Polizei stufen die vor gut einem Jahr unter einem Auto in Obergebra (Kreis Nordhausen) deponierte vermeintliche Kofferbombe weiterhin als gefährlich ein. Sie sei grundsätzlich geeignet, Schaden anzurichten, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Mühlhausen am Montag. Nach seinen Angaben bestand sie aus drei Behälter mit zusammen 2,5 Liter Benzin. Außerdem wurde ein Zündsatz gefunden. Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt widersprachen damit dem Landgericht Mühlhausen.

Der Gerichtssprecher hatte vergangene Woche angegeben, der vermeintliche Sprengsatz hätte allenfalls eine Verpuffung und damit einen Brand auslösen können. Eine Gefährdung der Allgemeinheit, auf die sich die Staatsanwaltschaft im vergangenen September in ihrer Mordanklage gestützt hatte, sei damit nicht mehr gegeben. Polizei und Staatsanwaltschaft sprachen nun von «abweichender Rechtsauffassung».

Die Staatsanwaltschaft hält das Gutachten des Landeskriminalamts (LKA) nach wie vor für richtig. Es hatte den Koffer auf seine Gefährlichkeit hin untersucht. Spezialisten aus Sachsen-Anhalt hätten den Zünder begutachtet und «ausdrücklich auf das Gutachten» der Thüringer Ermittler Bezug genommen. Zwei Tatverdächtige hätten sich nicht zu Unrecht in Untersuchungshaft befunden, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Drei Männer sollen Anfang April 2016 den Koffer unter dem Auto eines Anwohners aus Rache abgelegt haben. Sie wollten der Staatsanwaltschaft zufolge dem Mann offensichtlich eine Lektion erteilen, weil er in einem Strafverfahren gegen einen der drei belastende Angaben gemacht hatte.

Laut Gericht waren die zwei verhafteten Hauptverdächtigen im Alter von 36 und 41 Jahren wegen der neuen Erkenntnisse aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Der dritte, 33 Jahre alte Angeklagte war in seiner Vernehmung geständig und gar nicht erst verhaftet worden. Ein Termin für den Prozess steht noch nicht fest. dpa



 
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Veröffentlicht am:
27. 03. 2017
17:40 Uhr

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27. 03. 2017
17:40 Uhr