Thüringen

Schulsanierungen: Auch Kommunen müssen lange auf Handwerker warten

Weil Geld seit Jahren schon billig ist, lassen viele Privatleute ihre Immobilien renovieren oder sanieren. Das sorgt für volle Auftragsbücher beim Handwerk – und oft für lange Wartezeiten bei denen, die spontan einen Handwerker brauchen. Selbst Kommunen haben diese Probleme, wenn sie Schulen sanieren wollen.



Bis zum Jahresende soll die Generalsanierung an der Schule in Marlishausen abgeschlossen sein. 2,4 Millionen Euro wird dies kosten. Archivfoto: Richter
Bis zum Jahresende soll die Generalsanierung an der Schule in Marlishausen abgeschlossen sein. 2,4 Millionen Euro wird dies kosten. Archivfoto: Richter  

Erfurt – In den bald beginnenden Sommerferien werden in vielen Thüringer Kommunen wieder zahlreiche Schulgebäude instand gesetzt. Oft werden dabei mehrere hunderttausend Euro verbaut, wie eine Umfrage ergab. Von diesem Umsätzen profitieren in der Regel auch die regionalen Handwerksunternehmen. Allerdings sind deren Auftragsbücher oft so voll, dass viele Landkreise oder kreisfreie Städte bisweilen Schwierigkeiten haben, Handwerker für die Sanierung oder Renovierung zu finden. «Die Unternehmen warten nicht auf solche Aufträge», sagte eine Sprecherin der Handwerkskammer Südthüringen. Ohnehin machten die Handwerksunternehmen in Thüringen nur den kleineren Teil ihres Umsatzes mit Aufträgen von Kommunen oder des Landes.

Eine Sprecherin der Stadtverwaltung Eisenach äußerte sich ähnlich. Die öffentliche Hand habe inzwischen ebenso wie viele Privatleute Probleme, für kurzfristige Arbeiten geeignete Firmen zu finden. «Selbst bei aufgetretenen Havarien gestaltet es sich immer schwieriger, kurzfristig eine Firma beauftragen zu können», sagte sie.

Wegen der seit Jahren niedrigen Kreditzinsen und der vielen Förderprogramme für die Sanierung von Wohneigentum sind die Auftragsbücher vieler Handwerksunternehmen seit Längerem schon voll. Nach den Daten der Frühjahrsumfrage der Handwerkskammer Ostthüringen sei vor allem der Wohnungsbau «Wachstumsmotor für das Bauhauptgewerbe», sagte ein Sprecher der Kammer. In Kammerbezirk im Osten des Landes seien die Auftragsbücher der Handwerksunternehmen deshalb sehr gut gefüllt.

Eine Sprecherin des Landkreises Nordhausen sagte, diese Situation führe dazu, dass sich auf ausgeschriebene Aufträge der Kommune in der Vergangenheit manchmal nur zwei oder drei Firmen beworben hätten, «teilweise auch nur eine». «Die vollen Auftragsbücher der Firmen sind völlig real, es herrscht auch im öffentlichen Bereich ein extremer Bau-Boom», sagte sie. Das führe auch zu teilweise sehr hohen Preisangeboten der Handwerksfirmen, die für die Kommune nicht planbar gewesen seien. «Zudem ist die Einhaltung der zeitlichen Planung von Maßnahmen teilweise schwierig, weil die Firmen auftragsmäßig stark beansprucht sind.»

Nach Angaben der zuständigen Verwaltungen haben viele der ganz oder teilweise für die Sommerferien geplanten Baumaßnahmen an den staatlichen Schulen in Thüringen ein größeres Volumen. So soll in Eisenach in den Sommerferien das Dachgeschoss der Georgenschule für etwa 200 000 Euro ausgebaut werden. Insgesamt seien in der Stadt Baumaßnahmen an Schulen und Schulsportanlagen in Höhe von fast 875 000 Euro geplant. 

Im Landkreis Nordhausen soll das Schiller-Gymnasium in Bleicherode für etwa 1,6 Millionen Euro energetisch saniert werden. Zudem ist geplant, in der Grundschule in Großwechsungen an einem neuen Sportraum weiterzubauen. Das Projekt kostet insgesamt etwa 950 000 Euro. «Überwiegend werden die Aufträge an Firmen im Landkreis Nordhausen sowie im Nordthüringer Raum vergeben, bei großen Projekten wie der Sanierung des Schiller-Gymnasiums sind die großen Aufträge auch an benachbarte Bundesländer gegangen», sagte die Sprecherin des Landkreises.

Thüringen fördert die Sanierung von Schulen im laufenden Jahr mit einer zweistelligen Millionen-Euro-Summe. Eine Sprecherin des Infrastrukturministeriums sagte, über das sogenannte Schulinvestitionsprogramm stünden für staatliche Schulträger im Jahr 2017 Fördermittel in Höhe von etwa 25 Millionen Euro zur Verfügung, von denen bislang etwa 20 Millionen Euro bewilligt worden seien. «Bei freien Schulen sind die 2017 verfügbaren Fördermittel in Höhe von circa 2,4 Mio. Euro nahezu vollständig bewilligt.» Zudem stelle das Land den staatlichen Schulträgern eine jährliche Investitionspauschale für Schulgebäude zur Verfügung. Im laufenden Jahr betrage sie insgesamt etwa 15 Millionen Euro. dpa

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Veröffentlicht am:
17. 06. 2017
07:34 Uhr

Aktualisiert am:
17. 06. 2017
07:35 Uhr

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17. 06. 2017
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