Thüringen

Untersuchung zu Domaschk: Kein Selbstmord im Stasi-Knast

Seit der Wende beschäftigt der rätselhafte Tod des DDR-Oppositionellen Matthias Domaschk 1981 im Stasi-Gefängnis in Gera immer wieder die Menschen. Eine Arbeitsgruppe verstärkt nun die Zweifel an der Stasi-Version des Falls. Aber was ist dann passiert?



Wie starb Domaschk wirklich?
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Erfurt - Die Arbeitsgruppe der Thüringer Staatskanzlei zum Tod des DDR-Oppositionellen Matthias Domaschk in Stasi-Haft hält die Selbstmord-These für eine Legende. Beim ersten Lesen der Akten könne zwar der Eindruck entstehen, dass diese Darstellung des Ministeriums für Staatssicherheit passe, sagte der Historiker Henning Pietzsch am Samstag in Erfurt: «Aber nur oberflächlich.» 

Nach Erkenntnissen der Kommission ist wahrscheinlicher, dass die Leiche des damals 23-Jährigen erst nach dessen Tod aufgehängt wurde. Dies werde durch die vorläufige Einschätzung eines Gerichtsmediziners untermauert. Die damals gefundenen Strangulationsmale am Hals Domaschks passten nicht zu dem Hemd, mit dem er sich nach Darstellung der Stasi erhängt haben soll.

Domaschk war in der oppositionellen Gruppe der Jungen Gemeinde in Jena aktiv. Er hatte gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestiert und Kontakt zur Bürgerrechtsbewegung «Charta 77» in Prag. Am 12. April 1981 war er in Gera ums Leben gekommen, nachdem ihn die DDR-Staatssicherheit festgenommen und stundenlang verhört hatte.

Historiker Pietzsch erläuterte, dass es auch bei der Bezeichnung der Räume des Stasi-Gefängnisses in den DDR-Unterlagen Widersprüche gebe. So sei Domaschk nach Darstellung der Stasi tot in einem Besucherzimmer mit der Nummer 121 aufgefunden worden. Aus Bauunterlagen der Haftanstalt gehe aber hervor, dass der Raum mit der Nummer 121 im Jahr 1981 wohl das Treppenhaus gewesen sei.

Die genauen Todesumstände Domaschks sind bis heute nicht abschließend geklärt. Anfang der 1990er Jahre waren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen mangelnder Beweise eingestellt worden. Im März 2015 hatte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) die neue Arbeitsgruppe eingerichtet – auch, um das Aufarbeitungsversprechen aus dem Koalitionsvertrag von Linke, SPD und Grünen einzulösen. Zudem hatte die einstige Lebensgefährtin Domaschks, Renate Ellmenreich, ihn gebeten, den Todesfall erneut untersuchen zu lassen.

Ellmenreich rief Zeitzeugen des Todesfalls auf, sich bei der Staatskanzlei zu melden und ihr Wissen zu teilen. Es habe sich bislang noch nicht genau rekonstruieren lassen, was damals mit Domaschk geschehen sei, sagte sie. Das bleibe aber weiter ihr Ziel: «Die Wahrheit macht frei.» Juristisch seien wahrscheinlich alle möglichen Tatvorwürfe verjährt. Auch wenn sie davon überzeugt seien, dass die Stasi-Version zum Tod Domaschks nicht stimme, bleibe unklar, was sich genau in dessen letzten Lebensstunden abgespielt habe, betonten auch andere Kommissionsmitglieder.

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, der mit Domaschk befreundet war, betonte: Wichtig sei in diesem Fall auch, dass die Gesamtverantwortung für den Tod Domaschks nicht aus dem Blick gerate. Diese Gesamtverantwortung beginne bei der SED und ihrer Nachfolgerpartei, der Linken. «Es geht darum, dass sich diese Partei ihrer Verantwortung stellt, das ist bis jetzt nicht geschehen», saget Jahn. Ramelow wies das zurück: «Das teile ich nicht.» Die Linken hätten sich inzwischen zu ihrer Verantwortung für das SED-Unrecht bekannt. dpa

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17. 06. 2017
13:17 Uhr

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17. 06. 2017
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