Thüringen

Zu wenig Pilzberater und viele Notrufe wegen Vergiftungen

Steinpilz, Pfifferling und Champignon in heimischer Natur lassen die Herzen von Pilzsammlern höher schlagen. Doch immer wieder kommt es zu Vergiftungen, weil Sammler Pilze verwechseln. Beratung durch einen Experten kann dem vorbeugen - doch denen fehlt es an Nachwuchs.



Der Regen lässt die Pilze sprießen. - Symbolfoto   Foto: dpa/Archiv

Erfurt - Die Hoch-Zeit der Pilzsaison steht bevor, doch es fehlt zunehmend an Fachleuten, die Sammler bei Zweifelsfällen helfen. «Leider ist das Netz von Pilzberatern sehr weitmaschig geworden beziehungsweise werden Pilzberatungsstellen von den meisten Gemeinden in Deutschland nicht mehr vorgehalten», sagte Bettina Plenert vom Erfurter Giftinformationszentrum der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Letzteres liegt auch an der fehlenden staatlichen Unterstützung.» Eine positive Ausnahme sei Mecklenburg-Vorpommern. Die Hauptsaison für Pilze beginnt laut Thüringenforst Ende August. Aber schon jüngst seien etwa Pfifferlinge, Maronen und Steinpilze zu finden gewesen.

Ideal für Pilze sei eine warme und feuchte Witterung, erklärte Jochen Girwert, Vorstand der Thüringer Arbeitsgemeinschaft Mykologie. Nach seinem Eindruck war im August für einen Sommermonat die Ausbeute an Speisepilzen im Freistaat schon recht gut. «Die klassischen Pilzmonate sind aber September und Oktober.» Dank der jüngsten Niederschläge sei zu hoffen, dass 2017 ein besseres Pilzjahr werde. «Die letzten beiden Jahre waren dahingehend ganz furchtbar.»

Gerade in Jahren mit einer Pilzschwemme kommt es nach Erfahrungen des Erfurter Giftinformationszentrums - eine gemeinsame Einrichtung der Länder Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern - zu einer Häufung von Vergiftungen durch Pilze. Voriges Jahr wurden laut Plenert 240 gemeldet, 2014 sogar fast 350. Dieses Jahr waren es bisher 86. Todesfälle wurden den Angaben nach in jüngster Zeit von den Experten in Erfurt zwei verzeichnet: einer 2015 in Mecklenburg-Vorpommern und einer 2016 in Thüringen.

«Viele Pilzsammler kennen sich schlecht oder gar nicht mit Pilzen aus», erklärte Plenert. «Sie kennen oft nicht die exakten Merkmale der Pilze, die sie suchen möchten, und noch weniger die Merkmale giftiger Doppelgänger.» So würden Perlpilze etwa mit Pantherpilzen verwechselt, Speise-Champignons mit giftigen Doppelgängern oder Knollenblätterpilzen. Hinzu kämen Fehler bei Transport, Lagerung und Zubereitung. Eine Begutachtung der Funde durch einen professionellen Berater könne solche Probleme verhindern, betonte die Ärztin.

Doch um die Lücken im Netz von Pilzberatern weiß auch Jochen Girwert, der selbst Pilzsammlern in Erfurt mit seiner Expertise hilft. Nicht nur, dass die Zahl solcher Fachleute seit der Wiedervereinigung stark abgenommen habe - in Thüringen stagniere sie seit einiger Zeit bei etwa 60. Da die Beratung ehrenamtlich geleistet werde, komme es auch vor, dass die Berater nicht erreichbar seien, etwa aus beruflichen Gründen. «Wir könnten mehr Nachwuchs gebrauchen», erläuterte Girwert. Aber es gebe nur wenige Menschen, die bereit seien, sich so intensiv mit Pilzen zu befassen - zumal die Beratung kostenlos sei.

>>> Pilzberater in Thüringen

>>> Giftinformationszentrum zu Pilzen
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12. 08. 2017
08:46 Uhr

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