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Abiturient Fiete Korn nimmt Böhmermann-Angebot an

Ein Schüler sagt seine Meinung - erst nach dem Abitur, wenn diese Äußerungen auf das Abschlusszeugnis keine Konsequenzen mehr haben können. Aber die kurze Rede von Fiete Korn aus Prerow hat Folgen - womöglich auch für seine Berufswahl.



Fiete Korn
Fiete Korn hat seine Zukunftspläne etwas umgestellt.   Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa

Das Abitur in Prerow ist bald sechs Wochen her. Aber seine kurze Rede auf der Abifeier, eine satirische «Danksagung» an den Direktor, bringt den 18-jährigen Fiete Korn ins Rampenlicht. Weil der Direktor dann noch Anzeige wegen übler Nachrede erstattet hat, wurden Medien aufmerksam.

Seither erreichten ihn viele Anfragen, erzählt Korn. «Das ist sicher auch dem Sommerloch geschuldet, aber ich freue mich darüber.»

Auf eine Reaktion hat er besonders geachtet. Denn vom ZDF-Satiriker Jan Böhmermann kam das Angebot für ein «ausgedehntes Redaktionspraktikum in einer ZDF-Hauptprogramm-Satiresendung von/mit Dr. Jan "Gerald" Böhmermann». «Ich werde das Angebot auf jeden Fall annehmen», sagte Korn am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Im Winter werde es losgehen.

So hat Korn mit der Rede auf der Feier seinem künftigen Berufsleben womöglich einen ordentlichen Kick verpasst. Eigentlich wollte er eine Ausbildung zum Tischler oder Kfz-Mechatroniker antreten und dann studieren. «Jetzt geht mein Interesse natürlich erstmal in Richtung Böhmermann und Medien.» Und verstanden hat er eines: «Je größer die Aufmerksamkeit ist, desto wahrscheinlicher sind Veränderungen.»

Die scheinen notwendig zu sein. In seiner etwa zweiminütigen Rede am 11. Juli bedankte er sich beim Direktor für Schulverweise anderer Schüler, für Einschüchterungen oder das Überwachen von Schülern durch andere Schüler. Außerdem machte Korn auf die hohe Fluktuation in der Lehrerschaft aufmerksam.

Vom Direktor selbst und der Träger-Gesellschaft war bis Montagnachmittag keine Stellungnahme zu erhalten. Allerdings berichtete die «Bild»-Zeitung (Montag), dass der Direktor die Schule verlasse. Im September oder Oktober werde ein «neuer, junger und stabiler Nachfolger» präsentiert, wurde der Geschäftsführer des Schulträgers Semper Bildungsakademie Dresden, Rüdiger Lorch, zitiert.

«Ich kann mir vorstellen, dass mit einem neuem Rektor alles besser aussehen wird», sagt Korn. Denn eines sei ihm wichtig: «Ich kritisiere nicht die Schule, sondern nur wie der Direktor die Schule geführt hat.» Konzept, Lehrer und Lehrer-Schüler-Schlüssel seien gut.

Würde es sich um eine öffentliche Schule handeln, müsste eingeschritten werden, sagt ein Sprecher des Bildungsministeriums. «Freie Meinungsäußerung ist ein hohes Gut, das an den Schulen nicht nur gelernt, sondern auch gelebt werden muss. Bei einem solchen Vorfall, muss man sich fragen, was an dieser Schule los ist.» Anders als bei öffentlichen Schulen seien freie Schulen aber selbst verantwortlich für ihr pädagogisches Konzept. Das Ministerium habe dann keine Fachaufsicht, sondern die Rechtsaufsicht.

«Wir haben von Schülern, Eltern und Lehrern gleichlautende Berichte über die inneren Zustände an der Schule gehört», sagt Prerows Bürgermeister René Roloff (parteilos). Allerdings gebe es dann immer den Hinweis «Halten Sie uns bloß raus, bitte keine Namen nennen.» Dass die Schule und ihr Träger schnell mit juristischen Schritten unterwegs seien, habe die Gemeinde schon öfters erlebt. So gebe es einen offenen Streit vor Gericht beispielsweise um hohe Mietrückstände.

Roloff macht klar, dass es nicht nur ein Schüler sei, der diese Meinung geäußert hat. «Man bekommt doch ernste Bedenken, wenn das von vielen Seiten bestätigt wird.» Dass der Träger nicht sofort eingeschritten sei, stoße bei ihm auf Unverständnis. Er berichtet von einer früheren Elterninitiative, die die Vorgänge aufgegriffen habe. «Am Ende hat die aufgegeben. Die Schüler wurden an andere Schulen geschickt.»

© dpa-infocom, dpa:200817-99-198106/4

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Veröffentlicht am:
17. 08. 2020
16:30 Uhr

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