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Hetty Berg neue Chefin des Jüdischen Museums Berlin

Ein Rücktritt an der Spitze des Jüdischen Museums Berlin sorgt für Unruhe und Protest. Nun tritt die Niederländerin Hetty Berg die Nachfolge an. Es gibt einige Wogen zu glätten.



Hetty Berg
Hetty Berg ist die neue Direktorin des Jüdischen Museums Berlin.   Foto: Yves Sucksdorff/Jüdisches Museum Berlin/dpa

Nach Querelen um den früheren Direktor Peter Schäfer hat das Jüdische Museum Berlin eine neue Leitung. Die niederländische Kuratorin und Museumsmanagerin Hetty Berg trat am Mittwoch ihren Posten als Direktorin des Museums zur deutsch-jüdischen Geschichte an.

Wegen der Coronakrise wird sie in den kommenden Tagen zunächst aus dem Homeoffice, also von zu Hause aus arbeiten, wie es im Museum hieß.

«Das jüdische Leben ist im Wandel - eine neue Generation mit unterschiedlichen Hintergründen und einer Menge Ideen tritt hervor. Als Ort der Begegnung und des Austauschs soll das Jüdische Museum Berlin diesen vielfältigen Perspektiven Raum geben», kündigte die 58-Jährige zum Arbeitsstart über den Twitter-Account des Museums an.

Seit 2002 arbeitete Berg, selbst Mitglied der Jüdischen Gemeinde, als Museumsmanagerin und Chefkuratorin des Jüdischen Kulturviertels in Amsterdam. Dazu gehören neben dem Jüdischen Historischen Museum auch das Kindermuseum, die Portugiesische Synagoge, das Nationale Holocaust-Museum und die Gedenkstätte Hollandsche Schouwburg.

Die in Den Haag geborene Berg studierte Theaterwissenschaften in Amsterdam und Management in Utrecht. Von 1989 an war die Niederländerin Kuratorin und Kulturhistorikerin am Jüdischen Historischen Museum in Amsterdam. Sie lebt den Angaben zufolge mit dem französischen Fotografen Frédéric Brenner zusammen, dessen Ausstellung «This Place» aktuell im geschlossenen Jüdischen Museum hängt.

Schäfer war im Juni nach einem umstrittenen Tweet des Museums von seinem Amt zurückgetreten. Darin ging es um Kritik von jüdischen und israelischen Wissenschaftlern an einem Beschluss des Bundestags, in dem die BDS-Bewegung als antisemitisch eingestuft worden war.

Diese Bewegung (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen) fordert unter anderem ein Ende der israelischen Besatzung des Westjordanlandes, des Gaza-Streifens und Ost-Jerusalems, die Israel 1967 erobert hat - und außerdem den Boykott israelischer Waren. Auch eine Jerusalem-Ausstellung war als einseitig kritisiert worden.

Schäfer hatte viel Solidarität erhalten. Mit «tiefer Besorgnis» stellten sich internationale Museumsdirektoren, Kuratoren und Fachleute jüdischer und nichtjüdischer Museen hinter ihn. Zuvor hatten bereits rund 45 jüdische Gelehrte aus Israel, Europa und den USA ihre Unterstützung bekundet.

Auch Berg protestierte damals: «Ich habe einen offenen Brief unterzeichnet, aus Solidarität mit einem Kollegen», sagte sie der «Zeit». Zugleich wies sie nun darauf hin, es sei nicht die Aufgabe des Jüdischen Museums Berlin, die Politik der israelischen Regierung zu kritisieren.

Deshalb werde sie auch BDS-Mitglieder nicht zu Diskussionen einladen, sagte Berg. «In einem Museum unter meiner Leitung gebe ich nur solchen Stimmen ein Forum, die sich von Ausgrenzung und Gewalt distanzieren und mit Respekt auf andere zugehen. Nur das erlaubt eine differenzierte Beschaftigung mit sensiblen Themen.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
01. 04. 2020
13:48 Uhr

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01. 04. 2020
13:48 Uhr