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Schwarzes Schaf - Hamburger Bahnhof vor Zäsur

Eine wichtige Sammlung futsch, nicht mal Herr im eigenen Haus, der gefeierte Chef kurz vor dem Absprung - mit dem Hamburger Bahnhof in Berlin steht eines der wichtigsten deutschen Museen für Gegenwartskunst vor ungewisser Zukunft.



Hamburger Bahnhof Berlin
Blick auf das Museum Hamburger Bahnhof in Berlin.   Foto: Sven Braun/dpa

Auf bald sieben Häuser verteilt sich die Nationalgalerie in Berlin. Die Rolle des schwarzen Schafs in der alteingesessenen Museumsfamilie hat in jüngster Zeit der Hamburger Bahnhof übernommen.

Das Museum für Gegenwartskunst, eines der wichtigsten seiner Art nicht nur in Deutschland, markiert mit atemberaubenden Ausstellungen immer wieder fette Ausrufezeichen in der Kulturlandschaft. Allerdings kommt der Blick in die Zukunft aktuell über viele Fragezeichen kaum hinaus.

Der Kosmos der Nationalgalerie reicht von der Kunst des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Neben dem Stammhaus Alte Nationalgalerie auf der berühmten Museumsinsel gehören dazu die aktuell wegen Sanierung geschlossene Neue Nationalgalerie im legendären Mies-van-der-Rohe-Bau, der Hamburger Bahnhof, die Friedrichswerdersche Kirche, das Museum Berggruen und die Sammlung Scharf-Gerstenberg.

Hinzu kommt demnächst das wegen hoher Baukosten von 450 Millionen Euro bereits heftig diskutierte Museum für Kunst des 20. Jahrhunderts am Kulturforum. Der Bau nach einem Entwurf der Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron, verantwortlich auch für die Elbphilharmonie in Hamburg, das Olympiastadion in Peking oder die Allianz Arena in München, soll im Jahr 2026 fertig sein. Wichtige Sammlungsteile aus dem Hamburger Bahnhof ziehen dann gut zwei Kilometer Luftlinie weiter ans Kulturforum.

Dann könnten die baufälligen Teile des Hamburger Bahnhofs saniert werden - wenn bis dahin die Besitzverhältnisse neu geordnet sind. Gelände und Gebäude unweit des Hauptbahnhofs gehören seit einigen Jahren dem privaten Investor CA Immo. Der Bund will das bisher größte Haus der Nationalgalerie auf altem Reichsbahngelände zurückkaufen. «Die Verhandlungen sind auf gutem Weg», heißt es bei der zuständigen Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU).

Die von Bund und Ländern getragene Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der auch die Museen der Nationalgalerie gehören, ist nach eigenen Angaben «mit dem Betrieb des Hamburger Bahnhofs als Museum für Gegenwart beauftragt». Einen Mietvertrag gibt es nur für die benachbarten Rieckhallen, die der Investor allerdings abreißen will. Dort ist derzeit noch die famose Sammlung des umstrittenen Unternehmers Friedrich Christian Flick zu sehen. Mit dem Ende der Hallen verliert der Hamburger Bahnhof auch die «Flick Collection».

Ganz abschreiben will die Stiftung die Sammlung noch nicht. «In den aktuellen Gesprächen mit Herrn Flick kam der Wunsch beider Seiten zum Ausdruck, den guten Kontakt weiter aufrechtzuerhalten», heißt es. Die Museumsleute setzen auf einen geplanten Neubau, der den Hamburger Bahnhof nach Wegfall der Rieckhallen wieder erweitern soll. «Dort kann dann auch, so der Plan, während der Zeit der Sanierung des Hauptgebäudes der Betrieb des Hamburger Bahnhofs fortgesetzt werden.» Konkrete Zeit- und Kostenplanungen gibt es noch nicht. «Der erste Schritt ist, die Grundstücksfrage zu klären.»

Der Stiftung und ihren Museen droht 2020 ohnehin noch Ungemach von ganz anderer Seite. Der Wissenschaftsrat sitzt im Auftrag von Monika Grütters seit 2018 an einer Evaluation der 1957 gegründeten Stiftung, ein riesiger Apparat mit rund 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und damit «die größte Arbeitgeberin im Kulturbereich in Deutschland». Der Bericht wird noch in diesem Jahr erwartet.

Mögliche zeitliche Zusammenhänge sind unklar, aber im Oktober wird einer der herausragenden Mitarbeiter aufhören. Udo Kittelmann ist als Direktor der Nationalgalerie für legendäre Ausstellungen wie «Die Schwarzen Jahre» (2015) oder zuletzt «Emil Nolde - Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus» verantwortlich.

«Die Frage der künftigen Leitung der Nationalgalerie wird voraussichtlich ab Herbst diesen Jahres geklärt werden», heißt es bei der Stiftung. Der Herbst beginnt gut einen Monat vor Ende Oktober, wenn Kittelmann auscheidet. Ein offenes Ende deutet sich bereits an: «Wann sich dieses dann realisieren lässt, hängt sicher von der individuellen Lösung ab.»

© dpa-infocom, dpa:200702-99-644197/2

Veröffentlicht am:
02. 07. 2020
16:50 Uhr

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dpa

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02. 07. 2020
16:50 Uhr