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Udo Kittelmann räumt Chefposten der Nationalgalerie

Als Direktor der Nationalgalerie Berlin sorgt Udo Kittelmann bisher für international beachtete Ausstellungen und spektakuläre Events. Nun hört er überraschend auf.



Udo Kittelmann
Udo Kittelmann im Hamburger Bahnhof.   Foto: Britta Pedersen

Der bisherige Direktor der Nationalgalerie Berlin, Udo Kittelmann (61), verlässt überraschend seinen Chefposten. Kittelmann werde auf eigenen Wunsch seinen bis Ende Oktober 2020 laufenden Vertrag nicht verlängern, teilte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit.

Er stand dann zwölf Jahre an der Spitze des Verbundes, zu dem neben Alter und Neuer Nationalgalerie das Museum Berggruen, die Sammlung Scharf-Gerstenberg sowie der Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart gehören.

Die kommissarische Leitung der Nationalgalerie wird laut Stiftung nach dem Ausscheiden Kittelmanns bis zu einer Neubesetzung der Stelle der bisherige Stellvertreter Joachim Jäger übernehmen.

Die Stiftung bedauerte den Schritt nach eigenen Angaben. Präsident Hermann Parzinger nannte Kittelmann einen «Museumsmann mit ganz eigener Haltung»: Seine Arbeit habe «einen Grad an Nachhaltigkeit, der Bestand über den Tag seines Abschieds hinaus haben wird». Kittelmann habe die Nationalgalerie «im nationalen wie internationalen Rahmen zum Global Player gemacht». Parzinger sprach von außergewöhnlichen kuratorischen Fähigkeiten, Lust an der Kunst und untrüglichem Gespür für interessante Positionen.

Für Aufsehen sorgt zurzeit die Emil-Nolde-Ausstellung. Der Blick auf eine Ikone des Expressionismus als Unterstützer des Nationalsozialismus lockt zahlreiche Besucher in den Hamburger Bahnhof. Gezeigt wird auch Noldes Gemälde «Brecher» von 1936. Das Bild hing mit «Blumengarten (Thersens Haus)» (1915) als Leihgabe im Arbeitszimmer von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Viel beachtete Ausstellungen gab es auch mit Werken von David Chipperfield (2014), Ernst Ludwig Kirchner(2016) oder Hanne Darboven (2017).

Kittelmann, 2013 als «Europäischer Kulturmanager des Jahres» geehrt, öffnete seine Museen auch für ungewöhnliche Events. So überließ er die Haupthalle des Hamburger Bahnhofs im Frühjahr für zwei Monate der Urban-Dance-Gruppe Flying Steps und dem brasilianischen Künstlerduo Osgemeos für eine spektakuläre Version aus Tanz, Musik und Kunst von Modest Mussorgskys «Bilder einer Ausstellung». Zudem ließ er die deutsche Kultband Kraftwerk auftreten.

In der Zeit als Direktor war Kittelmann nach Angaben der Stiftung verantwortlich für die Aufnahme von 500 wichtigen Werken in die Sammlungen der Nationalgalerie aus Epochen seit dem 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Dazu zählten etwa Lotte Lasersteins «Abend über Potsdam» (1930) oder Max Beckmanns «Selbstbildnis in Bar» (1942). Zudem setzte sich Kittelmann für die Sammlungen von Erich Marx, Ulla und Heiner Pietzsch, Friedrich Christian Flick und Egidio Marzona ein.

Kittelmann ist auch für einige Baustellen verantwortlich. So verlagerte er wegen der sanierungsbedingten Schließung der Neuen Nationalgalerie 2015 die Kunst der Klassischen Moderne zeitweilig in die Neue Galerie im Hamburger Bahnhof. Große Teile der Sammlung der Nationalgalerie waren nach Stiftungsangaben im Ausland und anderen Städten Deutschlands zu sehen.

Veröffentlicht am:
21. 08. 2019
16:02 Uhr

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dpa

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21. 08. 2019
16:02 Uhr