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Bildungsgewerkschaft: Schulstart ist ein «hohes Risiko»

Seit gestern gehen Schüler in Mecklenburg-Vorpommern in die Schule, kommende Woche starten weitere Bundesländer in den Regelbetrieb. Sind die Schulen gut genug vorbereitet?



Schule
Die Bildungsgewerkschaft GEW sieht in den Schulstarts ein hohes Risiko.   Foto: Marijan Murat/dpa/Symbolbild

Die Chefin der Bildungsgewerkschaft GEW, Marlis Tepe, sieht den Start des Regelbetriebs an den Schulen mit Problemen behaftet. «Die Schulöffnungen stellen ein hohes Risiko dar», sagte Tepe der «Passauer Neuen Presse».

Alle Beteiligten müssten vorsichtig sein und das Abstandsgebot einhalten. Allerdings sei es «grundsätzlich» gut, dass es wieder losgehe. Schließlich sei Bildung ein hohes Gut und es sei wichtig, dass Kinder und Jugendliche wieder in die Schule gehen könnten.

Dennoch gerieten die Schulen beim Start im Regelbetrieb in eine «schwierige Situation». So bräuchten die Schulen eigentlich «frühzeitig genaue Informationen, wie der Gesundheitsschutz geleistet werden soll». Das sei bisher aber nicht gut genug vorbereitet worden, kritisierte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. So wäre es besser gewesen, die Gesundheitsämter hätten vorab alle Schulen begutachten und deren Hygienepläne prüfen können. Außerdem hapere es bei der Digitalisierung an den Schulen.

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) findet die Rückkehr zum Präsenzunterricht richtig. Bei den Einschränkungen in der Pandemie habe man Eltern, Schüler und Kindergartenkinder viel zu wenig beachtet, sagte er am Dienstag im Sender «Welt». Man könne nicht alles durch digitalen Unterricht ersetzen. «Die Schülerinnen und Schüler, die müssen irgendwo auch in die Schulen rein, die müssen sich gegenseitig sehen, und deswegen hat das jetzt eine ganz große Priorität und muss jetzt also auch wieder in den Regelunterricht überführt werden.»

Brinkhaus erwartet dennoch auch im neuen Schuljahr einen Mischbetrieb. «Wir werden digitale Formate mehr nutzen, übrigens auch nach der Pandemie», sagte er. Der Bund habe sehr viele Mittel bereitgestellt, diese müssten von den Ländern auch abgerufen werden. Bildung sei Ländersache und diese müssten nicht nur Hygienekonzepte, sondern auch Digitalisierungskonzepte entwickeln.

In NRW, wo eine Maskenpflicht auch im Unterricht besteht, sollen Schüler bei Verstoß dagegen auch der Schule verwiesen werden. Darauf hat die nordrhein-westfälische Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) in einem WDR2-Interview hingewiesen. Gebauer sagte dem Sender: «Wenn sich Schülerinnen und Schüler konstant nicht - weder im Unterricht noch auf den anderen Flächen - daran halten, kann das auch mit einem Verweis von der Schule beziehungsweise einem vorübergehenden einhergehen.»

Am Montag hatte Gebauer eine weitgehende Maskenpflicht zunächst bis zum 31. August angekündigt. An allen weiterführenden und berufsbildenden Schulen soll sie sowohl im Gebäude als auch im Unterricht gelten. Damit gibt das Bundesland in diesem Bereich nun die strengsten Regeln vor.

Das neue Schuljahr hatte am Montag zuerst in Mecklenburg-Vorpommern begonnen. Hamburg startet am Donnerstag. In der kommenden Woche folgen Berlin, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen.

© dpa-infocom, dpa:200804-99-33159/4

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Veröffentlicht am:
04. 08. 2020
14:47 Uhr

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