Brennpunkte

Kirchen: «Keine faire Alternative» zur Kirchensteuer

Bei den Kirchen könnte bald das Geld knapp werden, denn sie verlieren Mitglieder. Über Auswege wird bislang nur zögerlich diskutiert - und an der Kirchensteuer soll vorerst nicht gerüttelt werden.



Steuererklärung
Der Schriftzug «Erklärung zur Kirchensteuer» auf einem Formular der Steuererklärung.   Foto: Hans-Jürgen Wiedl/dpa-Zentralbild

In der Diskussion über die künftige Finanzierung der Kirchen sieht Mainzer Bischof Peter Kohlgraf vorerst keine realistische Alternative zur Kirchensteuer.

Schon jetzt sei mit einem Rückgang des Kirchensteueraufkommens bis 2030 um knapp ein Drittel zu rechnen, sagte Kohlgraf der Deutschen Presse-Agentur. «Eine Abschaffung der Kirchensteuer würde diesen finanziellen Rahmen sicherlich noch weiter beschneiden.»

Gemeinsam mit seinem Kollegen aus Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, plädiert Kohlgraf daher für einen sparsamen Umgang mit den Mitteln. Es werde künftig darum gehen, «sinnvolle Wege für einen verantwortlichen Umgang mit den geringer werdenden finanziellen Mitteln zu gehen», sagte Kohlgraf. Er wies darauf hin: «In einer solchen Debatte gilt es stets auch zu bedenken, dass durch die Kirchensteuer alleine im Bistum Mainz viele tausend Menschen und ihre Familien über die seelsorgliche und soziale Arbeit, die sie für die Gesellschaft leisten, ihr Auskommen finden.»

Die beiden großen christlichen Kirchen haben im Jahr 2017 zusammen etwa 660.000 Mitglieder verloren. Als Grund führen sie vor allem den demografischen Wandel an - doch auch die Zahl der Kirchenaustritte hat 2017 bei beiden Konfessionen leicht zugenommen.

Der Bischof von Eichstätt, Gregor Maria Hanke, hatte vor dem Hintergrund zuletzt eine Debatte über die Zukunft der Kirchensteuer angeregt. Es gehe nicht um eine sofortige Abschaffung der Kirchensteuer, da sie aktuell das bewährte Modell zur Kirchenfinanzierung darstellt, erklärte eine Sprecherin. Der Bischof rege aber an, nachzudenken, wie die Kirche ihre vielfältigen Aufgaben weiter in diesem Maß finanzieren kann. Diese Überlegungen könnten nur auf der Ebene der Deutschen Bischofskonferenz verortet sein.

Nach Angaben der Bischofskonferenz kamen im Jahr 2017 von den kirchensteuerpflichtigen Katholiken im Bundesgebiet 6,4 Milliarden Euro an Kirchensteuern zusammen. Den evangelischen Kirchen flossen im gleichen Jahr 5,6 Milliarden Euro aus der Kirchensteuer zu.

Dem Sprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Rahn, zufolge gibt es bislang «keine faire Alternative» zur Kirchensteuer. Deren Abschaffung hält er zudem für falsch. «Es ist ein Mitgliedsbeitrag.» Man müsse deutlicher zeigen, was mit dem Geld geschieht.

In der evangelischen Kirche Mitteldeutschlands (EKM) wird einem Sprecher zufolge bisher nachrangig über die Zukunft der Kirchensteuer nachgedacht. Es gebe beispielsweise keine spezielle Gruppe innerhalb der Landeskirche, die sich mit dem Thema befasse.

Im Bistum Passau sieht es nicht anders aus, wenngleich der Mitgliederschwund auch dort «ein großes Thema» ist, wie eine Sprecherin sagte. «Vielmehr ist es unser großes Anliegen, wieder mit den Kirchenfernen in Kontakt zu kommen, Gespräche zu führen und ihre Sorgen und Nöte ernst zu nehmen.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
19. 04. 2019
08:59 Uhr

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