Brennpunkte

Trump trägt Maske - Rekord an Neuinfektionen in den USA

Zehntausende Neuansteckungen mit dem Coronavirus gibt es jeden Tag in den USA. Präsident Trump geht davon aus, dass das Land bald «in sehr guter Verfassung» sei - und sieht sich dennoch zu einem ungewohnten Schritt veranlasst.



US-Präsident Trump
Donald Trump trägt während seines Besuches im Walter-Reed-Militärkrankenhaus einen Mund-Nasen-Schutz.   Foto: Patrick Semansky/AP/dpa

Angesichts dramatisch steigender Coronavirus-Infektionen in den USA hat Präsident Donald Trump während eines öffentlichen Auftritts eine Maske getragen.

Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Trump am Freitagabend (Ortszeit) im Walter-Reed-Militärkrankenhaus in Bethesda bei Washington einen blauen Mund-Nasen-Schutz mit dem Siegel des Präsidenten benutzte. Zuletzt war Trump im Mai fotografiert worden, als er während eines Rundgangs durch eine Fabrik im US-Bundesstaat Michigan zeitweise eine Maske aufgesetzt hatte.

Trump hatte im April Richtlinien der Gesundheitsbehörde CDC verkündet, nach denen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes empfohlen wird. Er hatte aber umgehend deutlich gemacht, dass er selber keine Maske tragen werde. Trump und das Weiße Haus begründen das damit, dass der Präsident regelmäßig auf das Coronavirus getestet werde. Trump wird dennoch vorgeworfen, durch sein Auftreten ohne Maske ein schlechtes Vorbild in der anhaltenden Pandemie abzugeben.

Nach Angaben des Weißen Hauses traf Trump im Walter-Reed-Krankenhaus verwundete Soldaten und deren Angehörige. Er kam zudem mit medizinischem Personal zusammen, dass sich in der Corona-Krise um Erkrankte kümmert. Trump sagte vor dem Besuch vor Journalisten: «Ich werde wahrscheinlich eine Maske tragen, wenn Sie das wissen müssen.» Er fügte hinzu: «Ich finde es großartig, eine Maske zu tragen. Ich war nie gegen Masken, aber ich glaube, es gibt eine Zeit und einen Ort dafür.» In dem Krankenhaus, in dem manche Verwundete gerade erst operiert worden seien, sei eine Maske angebracht.

Die USA verzeichneten am Freitag die meisten Neuinfektionen seit Beginn der Pandemie an einem Tag. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität (JHU) lag die Zahl der registrierten Neuansteckungen bei einem Rekordwert von 66.627. Am Samstag ging die Zahl demnach auf 61.325 zurück. Alleine der schwer betroffene Bundesstaat Florida meldete am Sonntag 15.299 neue Fälle.

Insgesamt hat die Zahl der Neuansteckungen in den USA, einem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern, seit Mitte Juni im Zuge der Lockerung der Corona-Auflagen deutlich zugenommen. Seit Beginn der Pandemie haben die Forscher der JHU insgesamt mehr als 3,2 Millionen Infektionen mit dem Coronavirus verzeichnet. Mehr als 134.000 Menschen starben. Die Zahl der täglich verzeichneten Toten liegt zwar weiterhin niedriger als zum Höhepunkt der Krise, hat aber wieder zugenommen. Am Samstag registrierte die JHU-Statistik 685 Tote.

Trotz der steigenden Infektionszahlen gab sich Trump optimistisch. In der am Sonntag ausgestrahlten Sendung «Full Court Press» sagte Trump, zwar gebe es einige Bundesstaaten wie Florida und Kalifornien, die plötzlich «heiß» geworden seien. Viele andere Bundesstaaten sähen aber gut aus. «Wir werden sehr bald in sehr guter Verfassung sein», so Trump. Nach JHU-Statistiken nimmt die Zahl der Neuinfektionen inzwischen in den meisten der 50 US-Bundesstaaten zu.

Ein großer Teil der Neuinfektionen wird derzeit aus den südlichen und westlichen Bundesstaaten gemeldet - darunter Florida und Kalifornien. In Florida meldeten die Behörden am Samstag mehr als 10.000 Neuinfektionen an einem Tag. Gouverneur Ron De Santis - der wie Trump der Republikanischen Partei angehört - wies Vorwürfe zurück, er habe die Schutzmaßnahmen in Florida voreilig wieder gelockert.

Trotz der steigenden Fallzahlen in Florida öffnete der Freizeitpark «Walt Disney World» am Samstag seine Türen wieder für Besucher. «Der Magic Kingdom-Park und der Disney's Animal Kingdom-Park sind jetzt geöffnet», hieß es auf der Webseite des Freizeitparks nahe Orlando. Am Eingang werde die Körpertemperatur gemessen und Abstands- und Hygieneregeln müssten eingehalten werden.

Normalerweise kommen fast 60 Millionen Menschen jedes Jahr in den Freizeitpark in Florida, der wegen der Coronavirus-Pandemie seit März geschlossen war. Ab dem 30. Juli will auf dem Gelände des Vergnügungsparks auch die nordamerikanische Profi-Basketballliga NBA ihre wegen der Coronavirus-Pandemie unterbrochene Saison in einem geschlossenen System ohne Kontakt zur Außenwelt fortsetzen.

Ein ebenfalls vom US-Unterhaltungsriesen Walt Disney betriebener Vergnügungspark im US-Westküstenstaat Kalifornien blieb zunächst weiter geschlossen; nur ein angeschlossenes Einkaufszentrum öffnete in der vergangenen Woche. Eine zunächst für den 17. Juli angekündigte Wiedereröffnung des Vergnügungsparks musste pandemiebedingt wieder abgesagt werden. Für den Entertainment-Giganten ist das Geschäft mit Vergnügungsparks, Ferienresorts und Kreuzfahrten eine der wichtigsten Erlösquellen. Die Schließungen aufgrund der Corona-Pandemie im März haben bereits Kosten in Milliardenhöhe verursacht.

© dpa-infocom, dpa:200712-99-759018/5

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 07. 2020
18:38 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Donald Trump Gouverneure Infektionskrankheiten Infektionszahlen Internationalität und Globalität National Basketball Association Neuinfektionen Nordamerika Pandemien Verwundete Walt Disney Walt Disney Company Weißes Haus
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Anthony Fauci

15.07.2020

Trump-Berater kritisiert Fauci - Infektionen auf Höchststand

Die Pandemie verbreitet sich in den USA weiter wie ein Lauffeuer. Aus der Regierung werden Schüsse gegen einen kritischen Experten gefeuert. Und das CDC bittet alle Amerikaner, Masken zu tragen. » mehr

Wieler

19.11.2020

Robert Koch-Institut: Lage weiterhin sehr ernst

Keine Corona-Entwarnung: Die Neuinfektionen nehmen im Vergleich zur Vorwoche leicht zu. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus steigt auf bislang insgesamt 13.370. Die Zahlen sind immer noch viel zu hoch. » mehr

Coronavirus

05.11.2020

Anstieg der Fallzahlen scheint abzuflachen

Die Corona-Infektionszahlen gehen weiter nach oben. Aber nun gibt es erste Anzeichen, dass möglicherweise eine Trendumkehr bevorstehen könnte. Die Politik will weitere Krisenmaßnahmen auf den Weg bringen. » mehr

Testzentrum

23.07.2020

Neuinfektionen: Trump macht Proteste mitverantwortlich

Wie ist es zu der dramatischen Zuspitzung der Corona-Pandemie in den USA gekommen? US-Präsident Trump nennt eine Vielzahl an Gründen, zum Beispiel die Proteste gegen Rassismus. Eigene Fehltritte sieht er nicht - sein pol... » mehr

Donald Trump

22.07.2020

Trump schlägt in Corona-Pandemie pessimistischere Töne an

Dramatisch steigende Infektionszahlen und schlechte Umfragewerte veranlassen den US-Präsidenten zu Appellen und Warnungen. Donald Trump ändert in der Corona-Pandemie abrupt die Tonlage - es ist nicht das erste Mal. » mehr

Joe Biden

09.11.2020

Biden schwört Amerikaner auf harten Pandemie-Winter ein

Der gewählte US-Präsident Biden erklärt den Kampf gegen die Pandemie zu seiner dringlichsten Aufgabe. Er macht den Amerikanern deutlich, dass ihnen schwere Monate bevorstehen - und bittet sie inständig, Masken nicht mehr... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall A73 Suhl Suhl A73

Unfall A73 Suhl | 27.11.2020 Suhl A73
» 7 Bilder ansehen

Holz Lkw Schleusingen Schleusingen

Holzlaster Unfall | 27.11.2020 Schleusingen
» 8 Bilder ansehen

Verkehrsbehinderungen A73 Suhl A 73/Suhl

Verunreinigung A73 | 26.11.2020 A 73/Suhl
» 3 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 07. 2020
18:38 Uhr