Brennpunkte

Umstrittenes Berliner Museum soll neuen Namen bekommen

Die immensen Kosten von 450 Millionen Euro haben das in Berlin geplante Museum des 20. Jahrhunderts noch vor Baubeginn zu einem Zankapfel gemacht. Nun soll das Haus auch einen neuen Namen bekommen.



Hermann Parzinger
Präsident Stiftung Preußischer Kulturbesitz Hermann Parzinger.   Foto: Christoph Soeder/dpa

Das wegen hoher Baukosten von 450 Millionen Euro umstrittene Berliner Museum für Kunst des 20. Jahrhunderts soll eine neue Bezeichnung bekommen.

«Es hat sich gezeigt, dass wir darüber noch einmal nachdenken müssen», sagte der Präsident der zuständigen Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, der Deutschen Presse-Agentur.

«Beim Namen haben wir uns bislang erstmal an die Systematik der Nationalgalerie gehalten: Alte Nationalgalerie mit der Kunst des 19. Jahrhunderts, Neue Nationalgalerie mit dem 20. Jahrhundert - und das neue Museum wird Teil der Neuen Nationalgalerie sein», sagte Parzinger. Die für das neue Haus bisher benutzten Bezeichnungen Museum der Moderne und Museum des 20. Jahrhunderts gelten als nicht ausreichend trennscharf.

Für den Fortgang beim Bau zeigte sich Parzinger zuversichtlich. «Die Planungen gehen mit Hochdruck weiter, die Architekten arbeiten schon seit zwei Jahren mit den Kollegen der Nationalgalerie eng zusammen.» Nach dem Spatenstich Anfang Dezember gebe es im nächsten Jahr vorbereitende Bodenuntersuchungen, Leitungen müssten verlegt werden. Gegen Ende kommenden Jahres sollten die Bagger anrollen, um mit der Baugrube zu beginnen.

Mit dem neuen Haus kommen auf die Stiftung auch zusätzliche laufende Kosten zu. «In der Nationalgalerie sind die Mitarbeiter mit größtem Engagement bei der Sache. Aber uns allen und auch unseren Trägern ist klar, dass ein solches Haus nur dann wirklich lebendig sein und das Kulturforum zusammenbinden kann, wenn es auch ein entsprechend attraktives Programm geben wird», sagte der Stiftungschef. «Das wird nicht ohne zusätzliche Stellen und Mittel für den Betrieb gehen.»

Das Haus solle nicht unveränderbar eingerichtet werden. «Bei heutigen Museen, und gerade wenn es um Kunst des 20. Jahrhunderts geht, muss alles immer im Fluss sein», sagte Parzinger. «Ein Museum ist kein Mausoleum.» Bewegung und Veränderbarkeit im Inneren seien ganz entscheidend.

Für das Museum in Berlin waren zunächst 200 Millionen Euro Baukosten kalkuliert worden. Seit Veröffentlichung der ersten kompletten Berechnung mit 450 Millionen Euro und der Finanzierungszusage durch Bundestag und Regierung hat die Kritik deutlich zugenommen. Die Fertigstellung ist für 2026 vorgesehen, ursprünglich war 2021 geplant.

Das Museum entsteht nach einem Entwurf der Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron. Zu Prestige-Objekten des Büros zählen etwa die Elbphilharmonie in Hamburg, das Olympiastadion in Peking oder die Allianz Arena in München.

Das Museum in der Nähe des Potsdamer Platzes im Zentrum Berlins entsteht zwischen den beiden Architektur-Ikonen der Neuen Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe und der Berliner Philharmonie von Hans Scharoun. Auch wegen der Nähe zu diesen Bauten gibt es Kritik. In der direkten Nachbarschaft stehen zudem das Kulturforum mit der Gemäldegalerie und die Staatsbibliothek.

Das Museum soll eine der wichtigsten Sammlungen mit Kunst des 20. Jahrhunderts mit Künstlern wie Beckmann, Kirchner, Höch, Paik, Tübke, Mattheuer, Genzken, Piene, Tillmans aufnehmen. Dafür hat das Museum 9000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Jeweils etwa 1000 Quadratmeter sollen die umfassenden Privatsammlungen Erich Marx sowie Ulla und Heiner Pietzsch füllen, die dem Museum überlassen werden.

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dpa

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Veröffentlicht am:
22. 12. 2019
10:08 Uhr

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22. 12. 2019
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