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Eine App für jede Schranke: Der Wettlauf ums digitale Parken

Digitale Dienste sollen das Parken bequemer machen. Autofahrer können inzwischen aus einer Vielzahl von Apps und Systemen wählen. Dabei geht es längst um weit mehr als um das bloße Abstellen eines Fahrzeugs.



Parkkartensystem
Klassisch: Mit der Parkkarte wird die Schranke geöffnet.   Foto: Tom Weller/dpa

Mal ist der Arm zu kurz für den Ticketknopf, mal fährt man sich eine Schramme in die Felge - und die Häme des wartenden Hintermanns an der Schranke gibt's auch noch dazu. Parken kann blanker Stress sein.

Mit dem Sportwagenbauer Porsche baut nun ein weiterer Anbieter seine digitalen Dienste aus, die das ändern und das Parken einfacher, schneller und bequemer machen sollen, mit Parkplatzsuche per App, kontakt- und ticketloser Ein- und Ausfahrt im Parkhaus und automatischer Abrechnung am Monatsende.

Ganz neu ist das nicht, auch nicht bei Porsche. Den Service namens «Parken Plus» gibt es eigentlich schon seit 2017, damals in Kooperation mit dem Dienstleister Evopark aufgebaut. Nun hat ihn der Stuttgarter Sportwagenbauer aber erweitert und in modernerer Form neu aufgelegt. Im Unterschied zu früher könnten ab jetzt nicht nur deutlich mehr Parkhäuser genutzt und online bezahlt werden, sondern in vielen Städten auch Parklücken am Straßenrand. «Mit der App bündeln wir alle auf das Parken bezogene Themen und überführen sie in das Porsche-Ökosystem», wirbt Porsche-Manager Michael Hoffmann. Man muss dafür auch keinen Porsche haben.

Allein ist der Konzern mit seinem Angebot freilich nicht. Rund ums Parken hat sich in den vergangenen Jahren eine ganze Branche mit verschiedenen Dienstleistungen etabliert - mal mehr, mal weniger umfangreich, mal mehr, mal weniger weit verbreitet. Neben vielen Start-ups wollen auch Autokonzerne wie eben Porsche und nicht zuletzt die Betreiber von Parkhäusern oder Parkplätzen selbst mitspielen. BMW und Daimler etwa sind mit «Park Now» inzwischen gemeinsam am Start, der Parkhausbetreiber Apcoa bietet an seinen Standorten «Apcoa Flow» an. Dazu gibt es etliche kleinere, oft auch regionale Anbieter, die mit einzelnen Betreibern oder auch Städten kooperieren. Auch die Preismodelle sind unterschiedlich.

«Es entsteht ein Wettbewerb darum, wer über digitale Systeme den direkten Endkundenkontakt hat», sagt Bernd Bienzeisler, der beim Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation zum Thema Digitale Services forscht und sich schwerpunktmäßig auch mit dem Parken befasst. Wichtigster Trend dabei überhaupt: Es geht weg von der reinen Flächenvermietung. «Durch die Digitalisierung bricht der Markt auf», sagt Bienzeisler. «Es gibt einen Trend zu höherwertigen Diensten, die über Daten miteinander verknüpft werden können.»

Denn egal ob dynamische Preissysteme, Wäsche-, Reinigungs- und Lieferservice zum parkenden Auto oder Mobilitäts-Drehkreuze mit Umstieg auf Fahrräder und E-Scooter: Was auch immer sich die Betreiber an Zusatzdiensten einfallen lassen, sie brauchen dafür in der Regel Daten ihrer Kunden. Sei es, damit die Dienste überhaupt funktionieren, oder damit sie so optimiert werden können, dass sie sich auch lohnen. «Über die Park-Apps bekommen sie zum ersten Mal überhaupt Informationen über das Kundenverhalten», sagt Bienzeisler. Wer bloß anonym ein Ticket zieht und am Automaten bezahlt, müsste zumindest theoretisch bei Ein- und Ausfahrt nicht einmal dasselbe Auto benutzen.

Ein mögliches Problem für den Kunden: Wenn er Pech hat und die Dienste untereinander nicht kompatibel oder in seiner Stadt kaum verbreitet sind, muss er mehrere parallel nutzen - oder zur Not doch wieder ein Ticket ziehen. Auch das Parken an der Straße funktioniert nicht überall gleich. «Aus Kundensicht würde man natürlich sagen: Ich will nur eine Lösung», sagt auch Bienzeisler. Aus Sicht der Anbieter aber sei es durchaus sinnvoll, das Geschäft und damit die Kundendaten nicht aus der Hand zu geben. Der Experte rechnet daher auch nicht damit, dass es am Ende nur den einen großen Anbieter für alles geben wird. Aber schrumpfen dürfte die Zahl in den kommenden Jahren schon.

Kooperationen und Verschränkungen gibt es ohnehin schon. So sind etwa «Parken Plus» und «Apcoa Flow» getrennte Angebote, der Porsche-Service öffnet aber auch bei Apcoa die Schranken, wie ein Sprecher des Parkhausbetreibers sagt.

In der Initiative Smart Parking hingegen haben sich mehrere Anbieter zusammengeschlossen, um gemeinsam an dem Ziel zu arbeiten, das Parken an der Straße ohne Bargeld und Parkscheinautomaten bundesweit zu etablieren. Die jeweilige Verbreitung, der Preis und die genutzte Technik unterschieden sich aber je nach Anbieter, heißt es bei der Initiative.

Was die Parkhäuser angeht, helfe es, dass die meisten Autofahrer nicht sonderlich spontan seien, sagt Experte Bienzeisler. «Die meisten Leute fahren tatsächlich immer in dasselbe Parkhaus.»

Veröffentlicht am:
08. 06. 2020
07:35 Uhr

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dpa

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08. 06. 2020
07:35 Uhr