Schlaglichter

Fast ganz Tschechien Corona-Risikogebiet - viele EU-Länder betroffen

Jedes zweite EU-Land ist jetzt zumindest teilweise Risikogebiet. Auch die angrenzenden tschechischen Regionen Karlsbad und Pilsen sind betroffen.



Als Risikogebiete werden Länder/Regionen eingestuft, in denen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gab, oder in denen aktuell wieder ein erhöhtes Infektionsrisiko vorliegt.	Quelle: Robert-Koch-Institut, Stand: 23. September / Grafik: dpa-Infografik
Als Risikogebiete werden Länder/Regionen eingestuft, in denen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gab, oder in denen aktuell wieder ein erhöhtes Infektionsrisiko vorliegt. Quelle: Robert-Koch-Institut, Stand: 23. September / Grafik: dpa-Infografik  

Die Bundesregierung hat Regionen in elf Ländern der Europäischen Union wegen steigender Infektionszahlen zu Corona-Risikogebieten erklärt. Darunter sind auch Gebiete in den Nachbarländern Tschechien, Frankreich, Österreich, Dänemark und den Niederlanden. Das geht aus der am Mittwochabend aktualisierten  Liste des Robert-Koch-Institut s hervor. Insgesamt sind damit nun schon 14 von 27 EU-Mitgliedstaaten wieder ganz oder teilweise als Corona-Risikogebiete ausgewiesen.

In Tschechien sind alle Regionen betroffen, mit Ausnahme der Aussiger Region (Ústecký) und der Mährisch-Schlesischen Region (Moravskloslezský). Damit ist auch die Region Karlsbad (Karlovarský kraj), die an Oberfranken und den nördlichen Landkreis Tirschenreuth grenzt, Risikogebiet - genau wie die Region Pilsen (Plzen), die an die Oberpfalz und Niederbayern grenzt. Das Auswärtige Amt sprach am Mittwochabend für diese Gebiete auch eine Reisewarnung aus.

Der tschechische Außenminister Tomas Petricek sagte am Abend, die Entscheidung Deutschlands sei angesichts der Corona-Zahlen in seinem Land «verständlich». Man habe in Verhandlungen mit Berlin Ausnahmen für Berufspendler, Lkw-Fahrer und Transitreisende erreichen können. «Wir verhandeln weiter über den sogenannten kleinen Grenzverkehr, also mögliche Ausnahmen für Menschen, die unmittelbar an der Grenze leben», sagte der Sozialdemokrat.

Schätzungen zufolge arbeiten rund 37.000 tschechische Berufspendler in Deutschland, vor allem in der Gastronomie und dem Gesundheitswesen. In Bayern sieht die sogenannte Einreisequarantäneverordnung vor, dass Berufspendler aus dem Ausland nicht in Quarantäne müssen, wenn sie sich regelmäßig nicht länger als 48 Stunden im Ausland aufhalten und keine Symptome aufweisen. Sie gilt noch bis zum 3. Oktober.

Als Corona-Risikogebiete hinzugekommen sind am Mittwoch auch Regionen in Dänemark, Portugal, Irland und Slowenien. Zudem wurden weitere Regionen in Frankreich, den Niederlanden, Kroatien, Rumänien, Österreich und Ungarn als Risikogebiete ausgewiesen. Auch für all diese Gebiete sprach das Auswärtige Amt eine Reisewarnung aus. In Österreich ist nun die beliebte Urlaubsregion Vorarlberg betroffen.

Reisende, die aus Risikogebieten zurückkehren, müssen sich 48 Stunden vor oder nach der Einreise auf Corona testen lassen. Die Reisewarnung ist kein Verbot, soll aber eine erhebliche abschreckende Wirkung haben. Allerdings hat sie auch eine positive Seite für Verbraucher: Sie ermöglicht es Reisenden, Buchungen kostenlos zu stornieren.

 

Weitere Informationen des Auswärtigen Amtes finden Sie hier >>>

 

In Dänemark ist die Region Hovedstaden um die Hauptstadt Kopenhagen betroffen. Dazu zählt außerdem die beliebte Ferieninsel Bornholm in der Ostsee. In Irland ist nun die Region Dublin Risikogebiet, in Portugal der Großraum Lissabon. In Frankreich sind die Regionen Normandie, Bretagne und Centre-Val-de-Loire hinzugekommen. Keine davon liegt an der Grenze zu Deutschland.

Nach Ausbruch der Corona-Pandemie hatte das Auswärtige Amt am 17. März erstmals eine weltweite Reisewarnung für touristische Reisen ausgesprochen. Für mehr als 30 europäische Länder wurde sie Mitte Juni zunächst wieder aufgehoben. Schon nach wenigen Wochen mussten die Reisewarnungen für die ersten Länder aber wegen steigender Infektionszahlen wieder reaktiviert werden. Inzwischen ist mehr als die Hälfte der EU-Länder betroffen. Spanien ist aber weiterhin der einzige Mitgliedstaat, der ganz zum Risikogebiet erklärt wurde.  

Die Einstufung erfolgt in der Regel, wenn die Zahl der Corona-Neuinfektionen die Marke von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen übersteigt. Bei der Reisewarnung kann es bisher auch noch andere Gründe wie Einreisesperren oder fehlende Hygienemaßnahmen geben.
 

Tschechien führt wegen Corona-Anstiegs Sperrstunde um 22.00 Uhr ein

Im Kampf gegen steigende Corona-Infektionszahlen führt Tschechien in Kneipen und Gaststätten eine Sperrstunde um 22 Uhr ein. «Unter dem Einfluss des Alkohols kommt es zu viel häufigeren Kontakten und zur Missachtung elementarer Regeln», sagte der neue Gesundheitsminister Roman Prymula am Mittwoch. Die Maßnahme sei zunächst auf zwei Wochen begrenzt.

Branchenverbände befürchten einen Umsatzrückgang von bis zu 30 Prozent. In Tschechien gibt es eine ausgeprägte Kneipenkultur. Mit mehr als 140 Litern im Jahr pro Kopf zählen die Tschechen zu den Weltmeistern im Bierkonsum.

Einschränkungen gibt es auch bei sportlichen und kulturellen Großveranstaltungen. Im Freien werden sie auf 2000 Sitzplätze begrenzt, in Innenräumen auf maximal 1000. Vor allem Fußball- und Eishockey-Vertreter zeigten sich alarmiert. Der Vorsitzende der nationalen Sportagentur, Milan Hnilicka, kündigte Hilfen an.

Am Dienstag wurden knapp 2400 neue Corona-Fälle verzeichnet, wie aus Behördendaten hervorging. Im ganzen Land gab es in den letzten 14 Tagen laut EU-Agentur ECDC rund 219 Infektionen pro 100.000 Einwohner - nur in Spanien lag der Wert höher.

 

 
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dpa

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Veröffentlicht am:
21. 09. 2020
19:26 Uhr

Aktualisiert am:
24. 09. 2020
20:15 Uhr

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21. 09. 2020
19:26 Uhr

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24. 09. 2020
20:15 Uhr