Topthemen

Attacke auf Dresden-Touristen - Islamist in U-Haft

Bei einem Dresden-Besuch Anfang Oktober werden zwei Touristen attackiert. Einer von ihnen stirbt. Der Vorfall schockiert und ist zunächst ein Rätsel - nun ermittelt die Bundesanwaltschaft.



Angriff auf Touristen in Dresden
Kriminaltechniker und die Tatortgruppe des LKA Sachsen untersuchen Anfang Oktober den Tatort.   Foto: Roland Halkasch/dpa-Zentralbild/dpa

Im Zusammenhang mit der Messerattacke auf zwei Touristen in Dresden vor zweieinhalb Wochen ist ein Syrer als Tatverdächtiger festgenommen worden. Der 20-Jährige ist ein radikaler Islamist, bereits vorbestraft und nun wegen Mordes und versuchten Mordes in Untersuchungshaft.

Die Bundesanwaltschaft hat am Mittwoch die Ermittlungen übernommen. Sie geht davon aus, dass die Tat am 4. Oktober, die einer der angegriffenen Männer nicht überlebte, einen radikal-islamistischen Hintergrund hatte, wie ein Sprecher der Behörde der Deutschen Presse-Agentur in Karlsruhe sagte.

«Der islamistische Terror ist eine andauernde große Bedrohung für unsere Gesellschaft, gegen die wir mit aller Konsequenz vorgehen müssen», sagte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD). «Wir brauchen höchste Wachsamkeit und entschiedenes Vorgehen von Polizei, Sicherheitsbehörden und Justiz.» Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte: «Der tödliche Angriff auf zwei Touristen in Dresden vor knapp drei Wochen hatte offenbar einen radikal-islamistischen Hintergrund.» Die Tat führe erneut die Gefährlichkeit islamistischer Gewalt vor Augen.

Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft in Dresden lebt der Syrer seit 2015 in Deutschland, hat eine Duldung und ist erheblich vorbestraft. Er war erst seit dem 29. September nach Verbüßung einer Jugendstrafe wieder auf freiem Fuß und stand unter Führungsaufsicht.

Der Mann ist dringend verdächtig, am Abend des 4. Oktober die Männer aus Nordrhein-Westfalen nahe des Residenzschlosses «unvermittelt mit einem Messer» angegriffen und schwer verletzt zu haben. Ein 55-Jähriger aus Krefeld starb später im Krankenhaus, ein 53-Jähriger aus Köln überlebte, er konnte die Klinik inzwischen wieder verlassen.

Motiv und Hintergründe der Bluttat waren zunächst unklar - und der Täter war entkommen. Die Polizei hatte eine Sonderkommission gebildet unter dem Namen «Schloßstraße», in Anlehnung an den Ort, wo Passanten die beiden Schwerverletzten gefunden hatten. Die 29 Beamten suchten mit Hochdruck nach Täter und Motiven. Bei der Auswertung der Spuren vom Tatort, wo auch ein Messer sichergestellt worden war, stießen sie schließlich auf den aktenkundigen Syrer. Nach einer gezielten Fahndung klickten am Dienstagabend die Handschellen - mitten in der Innenstadt und unweit des Tatorts.

Kurz vor der Bundesanwaltschaft hatte am Mittwoch zunächst die Dresdner Generalstaatsanwaltschaft Fall übernommen. Schon da hieß es, es stehe eine islamistisch motivierte Tat im Raum. Der Beschuldigte hat beim Haftrichter keine Angaben zu der Tat gemacht.

Der Generalbundesanwalt ist zuständig für die Verfolgung terroristischer Vereinigungen im In- und Ausland. Daneben kann er die Ermittlungen zu anderen staatsschutzrelevanten Straftaten übernehmen, wenn die innere Sicherheit der Bundesrepublik oder ihre Verfassungsgrundsätze gefährdet sind.

Der Beschuldigte war im November 2018 vom Oberlandesgericht Dresden wegen Werbens um Mitglieder und Unterstützer einer terroristischen Vereinigung im Ausland, Suche nach einer Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, Körperverletzung und Bedrohung verurteilt worden. Wegen Angriffs auf Beamte in der Haft verhängte das Leipziger Amtsgericht Leipzig im Dezember 2019 dann eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und neun Monaten gegen ihn.

Der OLG-Senat hatte 2018 auf Basis eines Expertengutachtens festgestellt, dass sich der damals noch minderjährige Syrer 2017 als IS-Anhänger sah und über ein Attentat nachdachte. Im Prozess habe sich der Angeklagte vor allem zu einem «von ihm im Sommer 2017 in groben Umrissen angedachten Anschlag» geäußert - in Dresden.

Als Islamisten auf dem Schirm hatten die Behörden den jungen Mann schon seit August 2017. Da hatte ihn nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur das Landeskriminalamt Sachsen als «Gefährder» eingestuft. So nennt man bei der Polizei Extremisten, denen man eine schwere Gewalttat bis hin zu Terroranschlägen zutraut.

© dpa-infocom, dpa:201021-99-27756/5

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
21. 10. 2020
22:20 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Amtsgericht Leipzig Angeklagte Attentate Bundesanwaltschaft Bundesjustizminister CSU Christine Lambrecht Deutsche Presseagentur Festnahmen Gewaltdelikte und Gewalttaten Horst Seehofer Körperverletzung und Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit Landeskriminalamt Sachsen Landeskriminalämter Oberlandesgericht Dresden Polizei SPD Staatsanwaltschaft Straftaten und Strafsachen Terroranschläge
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Messerattacke in Nizza

29.10.2020

Drei Tote in Nizza bei Messerangriff in Kirche

Frankreich hat sich noch nicht von dem Schock über den Mord am Lehrer Samuel Paty erholt - da schlägt schon wieder ein Angreifer auf brutale Weise zu. Drei Menschen verlieren in Südfrankreich ihr Leben. Präsident Macron ... » mehr

Razzien gegen mutmaßliche Rechtsextremisten

14.02.2020

Schlag gegen mutmaßliche rechte Terrorzelle: 12 Festnahmen

Planten mehrere Rechtsextreme Anschläge auf Politiker, Asylbewerber und Muslime? Razzien in sechs Bundesländern bringen für die Ermittler den Durchbruch: Zwölf Beschuldigte sollen in U-Haft kommen. » mehr

Lambrecht

01.07.2020

Lambrecht: Kinderpornografie soll Verbrechen werden

Ein schrecklicher Fall nach dem anderen wird bekannt, seit NRW im Kampf gegen sexualisierte Gewalt an Kindern Tempo macht. Die Dimensionen sind erschreckend. » mehr

Messerattacke in Paris

25.09.2020

Messerattacke vor «Charlie-Hebdo»-Gebäude erschüttert Paris

Es ist ein symbolischer Ort, an dem zwei Menschen Opfer einer Messerattacke werden. In dem Gebäude, vor dem sich die Tat ereignet, hatte einst «Charlie Hebdo» seine Redaktionsräume. Gerade läuft in Paris der Prozess gege... » mehr

Loch in Keller von Zollamt gebohrt: 6,5 Millionen Euro Beute

12.11.2020

Kritik am Zoll nach Millionen-Diebstahl

6,5 Millionen Euro sind nach dem Einbruch beim Zoll in NRW spurlos verschwunden. Waren die Sicherheitsvorkehrungen zu lasch und die Alarmanlage defekt? » mehr

«Querdenken» in Leipzig

08.11.2020

Nach «Querdenken» in Leipzig: Rufe nach Aufarbeitung

Zehntausende Menschen demonstrieren in Leipzig gegen Corona-Maßnahmen. Nach der vorzeitigen Auflösung der Versammlung eskaliert die Lage. Der Aufmarsch dürfte Konsequenzen nach sich ziehen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Polizei in Hildburghausen Hildburghausen

Polizei in Hildburghausen | 30.11.2020 Hildburghausen
» 8 Bilder ansehen

Verkehrsunfall A71 Suhl Meiningen Autobahn 71

Unfall A71 Suhl/Meiningen | 29.11.2020 Autobahn 71
» 7 Bilder ansehen

Unfall A73 Suhl Suhl A73

Unfall A73 Suhl | 27.11.2020 Suhl A73
» 7 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
21. 10. 2020
22:20 Uhr