Hintergründe

Ein großer Tag für Lufthansa - aber auch für die Passagiere?

Es lief wie am Schnürchen: Monatelang hat die Lufthansa auf diesen Tag hingearbeitet, nun ist der Air-Berlin-Kauf besiegelt. Für die Passagiere könnte es aber bald teurer werden.



Lufthansa-Chef Spohr
Er hat gut lachen: Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Foto: Paul Zinken   Foto: dpa

Carsten Spohr verkündet seinen Triumph in der guten Stube Berlins: Im Fenster sieht man die Kuppeln des Gendarmenmarkts, dahinter Flugzeuge im Anflug auf Tegel. Es sei ein historischer Tag, sagt der Lufthansa-Chef, bevor er mehr als die Hälfte der insolventen Air Berlin übernimmt.

Nach Frankfurt, München und Hamburg gibt die Lufthansa damit auch an den Flughäfen Berlin und Düsseldorf den Ton an. Mit reichlich politischem Rückwind hat der Kranich-Konzern seine Chance genutzt. «Wir wären blöd, wenn wir das verpennen», meint Spohr, der sich an diesem Tag noch ein bisschen mehr als «Herr der Lüfte» fühlen kann.

Durch die deutsche Regierung sei ein unglaubliches Monopol geschaffen worden, sagt dagegen der Ex-Rennfahrer und Airlinegründer Niki Lauda dem Sender n-tv. Er verweist auf den Kredit des Bundes, der Air Berlin trotz Insolvenz in der Luft hält. Zusammen mit dem Thomas-Cook-Ferienflieger Condor stand der Österreicher im Verkaufsprozess in der zweiten Reihe und musste erleben, wie die Lufthansa ihren von langer Hand vorbereiteten Coup durchzog.

Weil der zweite bevorzugte Bieter Easyjet offenbar in letzter Minute noch den Kaufpreis drücken will, steigen die Chancen von Condor aber wieder, doch noch einige Jets aus dem abgestürzten Air-Berlin-Reich zu übernehmen.

Der gegenwärtige Börsen-Liebling Spohr muss bei seinem Meisterstück noch die kartellrechtlichen Hürden überwinden, die wegen der Größe des Deals in Brüssel stehen. Experten nehmen ihm seine forschen Sprüche nicht ab, dass die Eurowings konzernintern gegen die Lufthansa antreten werde und in der Folge die Ticketpreise auch auf Monopolstrecken gedeckelt blieben. Der Vorstand sei ausschließlich seinen Aktionären verpflichtet, bemerkt der frühere Vorsitzende der Monopolkommission, Daniel Zimmer. «Wenn zwei Gesellschaften demnächst höhere Ticketpreise auf ganz bestimmten Strecken setzen können, wird der Vorstand dies anordnen.»

Bis dahin wird die Europäische Kommission die Folgen der Übernahme für jede einzelne Strecke untersuchen. Im Fokus stehen innerdeutsche Flüge sowie Verbindungen über die bisherigen Air-Berlin-Drehkreuze Berlin-Tegel und Düsseldorf. «Vor allem auf einigen innerdeutschen Strecken, etwa Köln-München oder Berlin-Frankfurt, dürfte nun nahezu ein Monopol entstehen, weil es größtenteils Airlines aus dem Lufthansa-Konzern sein werden, die diese Strecken künftig bedienen», warnt Tomaso Duso vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Im bis zu sechs Monate langen EU-Kartellverfahren muss es nicht gleich zu einem Fusionsverbot wie vor einigen Jahren bei Ryanairs Versuch kommen, die kleinere irische Aer Lingus zu schlucken. Sehr viel wahrscheinlicher sind Auflagen für die Lufthansa, an bestimmten Strecken und Verbindungen Start- und Landerechte aufzugeben, die dann an die Konkurrenz gehen könnten.

Spohrs Mannschaft steht auch im Erfolgsfall vor einem organisatorischen Kraftakt, bei dem das Umlackieren der Flugzeuge das geringste Problem ist. Neben den 81 Maschinen aus dem Bestand der Air Berlin muss auch die komplett übernommene Brussels Airlines aus Belgien in die Billigtochter Eurowings integriert werden - möglicherweise sogar eine «Alitalia Nuova», für die Spohr am Tag des Air-Berlin-Deals erstmals öffentliches Interesse zeigte.

«In der Eurowings steckt schon jetzt eine Riesen-Komplexität», sagt der Luftverkehrsberater Gerald Wissel. «Spohr muss beweisen, dass sie gegen Ryanair und Easyjet wettbewerbsfähig sein kann.»

Spohr zelebriert an diesem Donnerstag auch die Rückkehr nach Berlin, dem dynamischsten (Billig-)Markt in Europa. Der Konzernchef erinnert an 1926, als die Lufthansa in Berlin gegründet wurde, an Kriegsende und deutsche Teilung, während der die Kranichlinie nicht in die geteilte Stadt fliegen durfte, dafür aber die von einem US-Piloten gegründete Air Berlin. Nun erst werde der Lufthansa-Konzern wieder Marktführer in der Hauptstadt, vor allem mit der Tochter Eurowings. «Wir freuen uns auf diese Rolle.»

Der frühere Staatskonzern hat Fürsprecher an Schlüsselpositionen. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte einen nationalen Champion. Da widerspricht Spohr natürlich nicht. «Wir müssen dafür sorgen, dass es auch in Europa schlagkräftige globale Spieler gibt und nicht nur drei in den USA, drei in China und drei am Golf. Wir brauchen auch drei in Europa.» Dass der Bund mit seinem 150-Millionen-Kredit die geordnete Übernahme möglich gemacht hat: «beeindruckend» und «goldrichtig».

Aus ihrer Genugtuung gegenüber der Konkurrenz vom Golf macht die Lufthansa keinen Hehl. «Zwei Milliarden Euro sind aus Abu Dhabi geflossen, um den großen Wettbewerber Lufthansa zu bekämpfen», verweist Spohr darauf, dass die chronisch klamme Air Berlin jahrelang nur durch Geldspritzen des Großaktionärs in der Luft gehalten wurde, der arabischen Staatsairline Etihad. «Zum Schluss hat alles nicht geholfen», sagt Spohr mit einem Lächeln.

Veröffentlicht am:
12. 10. 2017
17:05 Uhr

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dpa

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12. 10. 2017
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