Wirtschaft

Einfachere Fahrerlaubnis und Corona sorgen für Kraftrad-Boom

Autohersteller hat die Corona-Krise hart getroffen. Die Nachfrage nach Wohnmobilen und Fahrrädern boomt hingegen. Und auch bestimmte Motorräder und Roller sind stark nachgefragt. Corona ist nur ein Grund.



Leichtkraftrad
Ein Motorradfahrer fährt mit einem Leichtkraftrad mit 125ccm über eine Landstraße im Westerwald.   Foto: Thomas Frey/dpa

Neue Führerscheinregeln sowie die Corona-Pandemie sind nach Einschätzung der Motorrad-Branche Gründe für eine Rekord-Steigerung bei der Nachfrage nach kleineren Rollern und Motorrädern.

Mindestens seit Anfang der 1990er Jahre sei die Zahl der neu zugelassenen Krafträder in Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nicht mehr so stark gestiegen wie jetzt, sagte Achim Marten vom Industrie-Verband Motorrad (IVM). Grund sei nicht nur, dass Ende 2019 eine Verordnung den Zugang zu kleineren Maschinen erleichtert habe. «Aus unserer Sicht kommt da ein gewisser Lockdown-, Covid-19-Effekt dazu.» Mit dem Motorrad oder Roller zu fahren, sei «neben dem Radfahren die pandemiesicherste Fortbewegungsart».

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) verzeichnete zwischen Januar und September rund 185.000 neu zugelassene Krafträder - ein Zuwachs von mehr als 20 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Lediglich während der weitreichenden Corona-Beschränkungen im März und April gab es weniger Neuzulassungen als in den jeweiligen Vorjahresmonaten.

Bei Motorrädern mit bis zu 125 Kubikzentimetern Hubraum stieg die Zahl der Neuzulassungen laut IVM um rund 67 Prozent auf knapp 30.000. Bei Rollern bis 125 Kubikzentimeter sogar um mehr als 90 Prozent auf rund 26.000.

Seit Ende des vergangenen Jahres dürfen Besitzer eines Auto-Führerscheins auch ohne zusätzliche Führerscheinprüfung Maschinen mit bis zu 125 Kubikzentimetern Hubraum und 15 PS fahren - unter bestimmten Voraussetzungen und nach einer theoretischen und praktischen Schulung mit mindestens neun Einheiten von 90 Minuten. «Da scheinen eine ganze Menge Menschen darauf gewartet zu haben», sagte Marten. Wie das KBA am Montag mitteilte, haben im ersten Halbjahr (bis 30. Juni) 26 898 Autofahrerinnen und Autofahrer nach den neuen Regeln zusätzlich eine Fahrerlaubnis für 125er-Maschinen erworben.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer nannte die Reform einen Erfolg. «Die Praxis zeigt: Es hat sich bewiesen! Über 26 000 Menschen, vor allem zwischen 45 und 60 Jahren, nutzen nun statt vier lieber zwei Räder», sagte der CSU-Politiker. «Ein Umstieg, mit dem sie selbst, der Verkehr und die Umwelt gewinnen.» Der Bund wolle «mehr Mobilität, insbesondere Elektromobilität, ermöglichen und gleichzeitig durch klare Vorgaben die Verkehrssicherheit achten», sagte Scheuer.

«Fahrlehrer melden, dass die Führerscheinreform gut angenommen wird», sagte auch Felix Lindhorst vom Bundesinnungsverband Zweirad-Handwerk. Hinzu komme, dass Menschen wegen der Pandemie im eigenen Land auf dem Motorrad Urlaub machten oder vom öffentlichen Nahverkehr auf Krafträder umstiegen. Da seien die relativ günstigen 125er-Maschinen besonders attraktiv.

Lindhorst nannte noch zwei weitere Gründe für die hohen Zahlen: Zum einen ließen Hersteller und Händler Maschinen vorsorglich neu zu, bevor eine anstehende Abgasnorm-Verschärfung dies erschwere. Einige Hersteller wollten zudem mit eigenen Zulassungen die Statistik aufhübschen.

Schon in den vergangenen Jahren gab es laut IVM-Mann Marten einen Trend zum Roller- und Motorradfahren. Ganzjährig war die Zahl der Neuzulassungen bei Krafträdern 2019 laut KBA um rund 6 Prozent und 2018 um 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Zum diesjährigen Zuwachs sagte Marten: «Es steht zu vermuten, dass es sich um einen relativ kurzzeitigen Effekt in dieser Höhe handelt.» Die Händler konnten laut seiner Aussage die große Nachfrage bedienen: «Soweit ich weiß, gibt es keine Engpässe im Handel. Das schließt nicht aus, dass einzelne Modelle mal gerade nicht zur Verfügung stehen.»

© dpa-infocom, dpa:201026-99-89349/3

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26. 10. 2020
21:59 Uhr

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