Wirtschaft

Reisewarnung für Teile Spaniens: Barcelona betroffen

Erst vor knapp sechs Wochen wurde die Reisewarnung für Spanien aufgehoben. Jetzt wird sie wegen einer Welle von Neuinfektionen teilweise reaktiviert - ein weiterer Schlag für die Tourismusbranche des Landes.



Tourismus in Barcelona
Spaziergänger auf der Strandpromenade in Barcelona.   Foto: Thiago Prudencio/

Wegen der stark steigenden Zahl von Corona-Infektionen in Spanien warnt das Auswärtige Amt nun vor touristischen Reisen in drei Regionen des beliebtesten Urlaubslands der Deutschen.

Betroffen sind Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und den Stränden der Costa Brava sowie die westlich davon im Landesinneren liegenden Regionen Aragón und Navarra, nicht aber Mallorca und auch nicht die Kanaren.

Trotzdem ist der Schritt ein weiterer schwerer Schlag für die spanische Tourismusbranche, die zu Normalzeiten 12 Prozent der spanischen Wirtschaftskraft ausmacht. Weitere Deutsche Urlauber dürften abgeschreckt werden. Zumal auf der besonders beliebten Ferieninsel Mallorca erstmals ein Urlauber positiv auf Corona getestet wurde. Alle Rückkehrer aus dem Urlaub können sich bereits ab Samstag kostenlos testen lassen.

Die Reisewarnung kommt nicht ganz überraschend. Bereits am Dienstag hatte das Auswärtige Amt von Urlaubsreisen in die drei stark betroffenen spanischen Regionen abgeraten. Das ist quasi eine Alarmstufe unter der Reisewarnung, die nun auch eine kostenlose Stornierung von Reisen ermöglicht.

Die Lage verschlechterte sich aber weiter. Am Freitag meldete zunächst das Robert Koch-Institut (RKI), dass in allen drei Regionen die Grenze von 50 Neuinfizierten pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschritten wurde und stufte sie als Risikogebiete ein. Wenige Stunden später folgte die Reisewarnung, für die dieselbe Obergrenze bei den Neuinfektionen gilt.

TESTPFLICHT FÜR RISIKOGEBIETE NÄCHSTE WOCHE

Die Einstufung als Risikogebiet bedeutet, dass auch für die Rückkehrer aus Katalonien, Aragón und Navarra ab nächster Woche eine Corona-Testpflicht gelten wird: Wer aus einem solchen Gebiet kommt, muss sich dann entweder innerhalb von 48 Stunden vor der Einreise testen lassen oder binnen 72 Stunden nach der Einreise. Bis ein negatives Ergebnis da ist, muss man in Deutschland in häusliche Quarantäne. Bis diese Verordnung in Kraft tritt, gilt noch: Wer aus Risikogebieten kommt, muss direkt für 14 Tage in häusliche Quarantäne und sich beim Gesundheitsamt melden. Möglich ist auch, ein negatives Testergebnis vorzulegen, das höchstens 48 Stunden alt ist.

KOSTENLOSE TESTS SOFORT

Bereits ab Samstag gilt für alle Urlauber, die aus dem Ausland zurückkehren: Jeder kann sich kostenfrei testen lassen, ob er Krankheitssymptome zeigt oder nicht. Die Tests können innerhalb von 72 Stunden nach der Einreise gemacht werden - zum Beispiel an Teststationen an Flughäfen, Bahnhöfen und anderen Reiseknotenpunkten, in Gesundheitsämtern oder Praxen. Teststellen soll man zudem unter der ärztlichen Servicenummer 116 117 erfragen können. Übernommen werden auch die Kosten für einen Wiederholungstest pro Person. Als Reiserückkehrer ausweisen kann man sich zum Beispiel durch einen Boarding-Pass, ein Ticket, eine Hotelrechnung oder andere Nachweise eines Auslandsaufenthalts. Je nach Auslastung der Testzentren sollte das Ergebnis nach etwa 24 bis 48 Stunden vorliegen, erläuterte das Gesundheitsministerium.

SPANIEN: EIN SCHRITT ZURÜCK IN DÜSTERE ZEITEN

Das Urlaubsland Nummer eins der Deutschen fällt nun wieder ein Stück in die düsteren Zeiten des Frühjahres zurück. Das Land wurde damals neben Italien und Frankreich am härtesten von der Corona-Pandemie getroffen und reagierte damals mit drastischen Maßnahmen. Der Notstand mit harten Ausgangsbeschränkungen wurde am 21. Juni nach 14 Wochen aufgehoben. Am selben Tag fiel auch die deutsche Reisewarnung. Außenminister Heiko Maas reiste damals nach Valencia und sagte, er sei zuversichtlich, dass der Urlaub in Spanien «unter den bestmöglichen Rahmenbedingungen» stattfinden könne. Nun ist Spanien nach Luxemburg das zweite Land der Europäischen Union, für das wieder vor Urlaubsreisen gewarnt wird - zumindest teilweise.

Seit dem Ende des Corona-Notstandes gab es nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Madrid insgesamt schon wieder mehr als 600 lokale Ausbrüche. Die Zahl der Neuinfizierten während der vergangenen zwei Wochen wird mit mehr als 27 000 angegeben, die meisten davon im Großraum Barcelona und um die Stadt Lleida im Westen Kataloniens. Im Unterschied zu März und April sind die Betroffenen aber viel jünger und oft ohne Symptome. Die Behörden betonen, die Pandemie sei weiter unter Kontrolle.

DRAMATISCHER WIRTSCHAFTSEINBRUCH

Am selben Tag der schlechten Nachricht aus Deutschland veröffentlichte das nationale Statistikinstitut INE dramatische Zahlen zum Wirtschaftseinbruch. Demnach schrumpfte die Wirtschaftsleistung in den Monaten April bis Juni, also während der strengen Ausgangsbeschränkungen, im Quartalsvergleich um 18,5 Prozent. Es ist der stärkste konjunkturelle Rückschlag in einem europäischen Land im zweiten Quartal, der bisher gemeldet wurde.

SPANISCHER URLAUBER AUF MALLORCA IN QUARANTÄNE

Auf Mallorca wurde erstmals seit der Wiedereröffnung für den internationalen Tourismus eine Person, die dort Urlaub machte, positiv auf das Corona-Virus getestet und in Quarantäne geschickt. Es handele sich um einen Spanier, der zusammen mit seinen neun, ebenfalls aus Spanien kommenden Begleitern in einem Hotel untergebracht worden sei, sagte eine Sprecherin der regionalen Gesundheitsbehörde am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Ein schwerer Rückschlag für den spanischen Tourismus war zuvor bereits die Entscheidung der britischen Regierung gewesen, für alle Rückkehrer aus Spanien eine vierzehntägige Quarantäne anzuordnen. Daraufhin stornierten viele Urlauber ihre Reservierungen.

© dpa-infocom, dpa:200731-99-996221/7

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Veröffentlicht am:
31. 07. 2020
19:47 Uhr

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