Wissenschaft

Corona-Pandemie verringert ökologische Schäden für 2020

Die Menschheit hat die Umwelt in diesem Jahr bisher weniger zerstört als sonst. Dahinter steckt aber nicht mehr Öko-Bewusstsein, sondern der Corona-Lockdown. Was heißt das für die Zukunft?



Corona-Pandemie verringert ökologische Schäden für dieses Jahr
Die Corona-Pandemie hat den ökologischen Fußabdruck der Menschheit in diesem Jahr schrumpfen lassen.   Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Corona-Pandemie hat den ökologischen Fußabdruck der Menschheit in diesem Jahr schrumpfen lassen. Damit hat sich auch das Datum des sogenannten Erdüberlastungstags nach hinten verschoben.

Nach wissenschaftlichen Berechnungen sind nun an diesem Samstag (22. August) weltweit bereits alle erneuerbaren Ressourcen der Erde für dieses Jahr aufgebraucht, teilten das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und mehrere Umweltschutzorganisationen mit. Bis Ende Dezember wird die Menschheit deshalb «auf Pump» über ihre Verhältnisse leben.

Im Vergleich zum Vorjahr liegt der Erdüberlastungstag weltweit allerdings drei Wochen später. Eine solche ökologische Verbesserung gab es seit Jahren nicht mehr. Allerdings ist dieser positive Umwelttrend mit fast zehn Prozent weniger Ressourcenverbrauch eine direkte Folge des wirtschaftlichen Corona-Lockdowns in den meisten Ländern. Die wichtigsten Faktoren waren dabei nach PIK-Angaben der Rückgang des Holzschlags und der CO2-Emissionen. Die Menschheit verbraucht nach den Kalkulationen der Forscher derzeit aber immer noch 60 Prozent mehr Ressourcen als durch die Natur regenerierbar sind.

«Das diesjährige plötzliche Schrumpfen des ökologischen Fußabdrucks darf nicht mit Fortschritt verwechselt werden», sagte Laurel Hanscom vom Global Footprint Network, das die Berechnungen zum Weltüberlastungstag mit der York University erstellt. «Wenn dies kein Einmal-Effekt bleiben soll, müssen die Investitionen zur ökonomischen Erholung nach der Pandemie konsequent an Nachhaltigkeit gekoppelt werden», ergänzte Steffen Vogel von der Organisation Germanwatch. Regierungen, die versucht seien, Natur- und Klimaschutz zugunsten des Wiederaufbaus der Ökonomien aufzugeben, sollten darüber nochmals nachdenken, mahnte PIK-Direktor Johan Rockström.

Auch für den 1968 gegründeten Club of Rome, der sich als gemeinnützige Organisation für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit einsetzt, hat die Corona-Krise nochmals das Zusammenbringen ökologischer und sozialer Aspekte verdeutlicht. Der Club hat deshalb seinen «Planetaren Notfallplan», der sich an die Vereinten Nationen sowie nationale Regierungen richtet, am Donnerstag um Gesundheitspandemien als zusätzlichen Aspekt ergänzt. Wiederaufbauprogramme im Rahmen der Pandemie müssten zwingend die allgemeine planetare Krise als Grundlage politischer Entscheidungen einbeziehen, sagte Programmmanager Till Kellerhoff. Die Programme sollten keinen Wiederaufbau unter der Devise alles so wie früher bedeuten, sondern müssten Möglichkeiten für auch ökologisch sinnvolle Veränderungen enthalten.

Die Berechnungen zum Erdüberlastungstag basieren auf dem Konzept des ökologischen Fußabdrucks. Für ihn werden zwei rechnerische Größen gegenüber gestellt: Zum einen die biologische Kapazität der Erde zum Aufbau von Ressourcen sowie zur Aufnahme von Müll und Emissionen, zum anderen der Bedarf an Wäldern, Flächen, Wasser, Ackerland und Fischgründen, den die Menschen derzeit für ihre Lebens- und Wirtschaftsweise verbrauchen. Gegenwärtig machen die CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brenn- und Treibstoffe

57 Prozent des ökologischen Fußabdrucks der Menschheit aus.

Um ihren Ressourcenbedarf nachhaltig zu decken, bräuchte die Weltbevölkerung nach Angaben von Germanwatch rechnerisch 1,6 Planeten. Würden alle Länder so haushalten wie Deutschland, wären bezogen auf 2019 sogar drei Erden nötig. Bei einer Lebensweise wie in China bräuchte die Weltbevölkerung 2,2 Erden. Würden alle Menschen so wirtschaften wie in den USA bräuchten sie fünf Erden. Während der Erdüberlastungstag in den Siebzigerjahren wegen des geringeren Ressourcenverbrauchs noch in den Dezember fiel, lag er 2019 bereits auf dem 29. Juli.

© dpa-infocom, dpa:200820-99-242842/3

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Veröffentlicht am:
20. 08. 2020
16:21 Uhr

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20. 08. 2020
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