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Gewitterböe reißt in Coburg zwei Baumriesen um

Im Hofgarten stürzen eine Esche und eine Blutbuche um. Sie waren rund 300 Jahre alt. Außerdem flutet Starkregen die Kanalisation und der Sturm vertreibt die Gäste aus Biergärten und Bädern.



Mannshoch ist der Wurzelteller der umgestürzten Blutbuche. Der Brandkrustenpilz hatte sie geschwächt.
Mannshoch ist der Wurzelteller der umgestürzten Blutbuche. Der Brandkrustenpilz hatte sie geschwächt.   Foto: Norbert Klüglein » zu den Bildern

Coburg - "Baum 31 ist nicht mehr." Bernhard Ledermann spricht leise. Dem Chef des Coburger Grünflächenamts ist die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Vor 24 Stunden war die Blutbuche noch eine der landschaftsprägenden Bäume des Hofgartens: 25 Meter hoch, 25 Meter breit und gut 300 Jahre alt. Jetzt liegt sie am Boden. Eine Sturmböe hat sie entwurzelt. Nur das in den Boden eingelassene Steintäfelchen mit denen die bedeutendsten Gewächse des Landschaftsparks gekennzeichnet sind, befindet sich noch am gleichen Platz.

Das Unglück muss am Montagabend zwischen 18 und 19 Uhr passiert sein, als ein heftiges Gewitter über Coburg zog. Am Dienstagmorgen hat dann das Parkpflegeteam des Grünflächenamts den Verlust entdeckt. "Zusammen mit der Buche ist auch eine doppestämmige Esche gefallen", erklärt Bernhard Ledermann vor Ort. "Genauso alt wie die Buche und genauso groß." Die Esche hat keine 20 Meter entfernt gestanden - etwa auf halbem Weg zwischen dem Reiterdenkmal und dem Herzog-Alfred-Brunnen. Ansonsten sind keine Schäden im Hofgarten zu beklagen. Selbst Bäume, die sich in einem wesentlich schlechteren Zustand befunden haben, wie die beiden gefallenen Riesen, blieben unversehrt. Warum das so ist? Bernhard Ledermann zieht die Schultern hoch. "Vielleicht war es eine kleine Windhose oder eine lokal sehr begrenzte Windböe, die hier gewütet hat."

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Unwetter an der Rögener Hütte
Kurz aber heftig: In manchen Teilen Coburgs tobt am Montagabend ein Sturm.
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Den Stadtgärtnern bleibt jetzt nichts anderes übrig als aufzuräumen. Kettensägen fressen sich ins Holz. Ein Radlader transportier tonnenschweren Stammtsücke zum Hauptweg, damit sie dort auf einen Lastwagen verladen werden können. Ein Häcksler zermahlt gleich vor Ort Blätter und schwächere Äste. Etwa zwei Tage sollen die Arbeiten dauern.

Und dann? Werden im Herbst zwei neue Bäume gepflanzt? Bernhard Ledermann will sich noch nicht festlegen. "Erst mal ins Parkpflegewerk schauen", raunt er. Das Parkpflegewerk ist so eine Art Gebrauchsanleitung für den Hofgarten. Dort sind alle wichtigen Pflanzen erfasst, dort steht, wie oft sie kontrolliert und wie sie gepflegt werden müssen. Und es definiert Blickachsen, Freiflächen, Standorte für Solitärpflanzen oder die Breite für den Saum aus Büchen und Unterholz.

Als Ersatz für die beiden Lücken in der Grünkulisse sollten natürlich wieder Laubbäume in den Boden. Aber welche? Eschen stehen vor dem Aussterben, ein Pilz und ein Käfer setzten ihnen stark zu. "Der Forst pflanzt keine mehr", weiß Bernhard Ledermann. Buchen leiden unter der Buchenwollschildlaus, die die Rinde schädigt, Eichen unter dem Prozessionsspinner und Kastanien unter der Miniermotte und alle zusammen unter Trockenheit und Hitze. Leicht wird es also nicht werden, eine Baumart zu finden, die es wieder 300 Jahre lang im Hofgarten aushält.

Die Buche und die Esche, die Montagabend umgestürzt sind, waren vorgeschädigt. Das zeigt sich, als die Stadtgärtner die Stämme zerteilen. "Die Buche war vom Brandkrustenpilz befallen", erklärt Bernhard Ledermann. Der hatte die Wurzel bereits stark beschädigt. Die Esche hatte Faulstellen im Stamm. "Allerdings haben wir sie noch für ausreichend standsicher gehalten." Offensichtlich haben sie aber dem enormen Winddruck nicht mehr standgehalten. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Land unter herrschte auch in der Rögener Hütte. In dem beliebten Ausflugslokal unterhalb der Brandensteinsebene war der Biergarten gegen 18 Uhr voll besetzt. "Dann kam das Unwetter von einer Minute auf die andere", erinnerte sich Andreas Biebl, der mit seiner Frau die Rögener Hütte bewirtschaftet. Die Gäste hätten die Flucht in Richtung Gastraum ergriffen. "Dort konnten sie weiter essen. Es war dann richtig gemütlich", erzählt er schmunzelnd. Einen Tag nach dem Unwetter hat er seinen Humor schon wieder zurück. Denn Sturm gibt es auf der Rögener Hütte immer mal wieder. "Am Montagabend war es aber jedoch besonders heftig", so der Pächter. Vor allem an den großen Sonnenschirmen seien deshalb Schäden entstanden. Nur wenige hundert Meter weiter in Neershof war vom Unwetter hingegen gar nichts zu spüren.

Auch im Aquaria bekamen die Badegäste die Folgen des Unwetters zu spüren. Weil das Hallenbad wegen Wartungsarbeiten derzeit geschlossen ist, mussten die Besucher während des Gewitters im Eingangsbereich Schutz suchen. Erst als Blitz und Donner nach etwa zwanzig Minuten vorüber waren, konnten sie das Freibad wieder nutzen.

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Veröffentlicht am:
27. 08. 2019
18:29 Uhr

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Autor

Norbert Klüglein

Steffi Wolf

Kontakt zu den Autoren

Veröffentlicht am:
27. 08. 2019
18:29 Uhr