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Symphonic Mob: Gigantisches Musikspektakel am Schlossplatz

Beim Symphonic Mob musizieren Hunderte von Sängern und Instrumentalisten gemeinsam auf dem Coburger Schlossplatz. GMD Roland Kluttig feuert den ungewöhnlichen Klangkörper an.



Ab und an gleitet ein amüsiertes Schmunzeln über Roland Kluttigs Gesicht, so als könnte er sich das Lachen gerade noch verbeißen. Die Mundwinkel zucken, doch dann wird der Leiter des Philharmonischen Orchesters am Landestheater Coburg wieder ernst und widmet sich konzentriert seiner Arbeit. Einer, die sich etwas von seiner alltäglichen unterscheidet: Der Generalmusikdirektor dirigiert dieses Mal nicht nur Profis, sondern auch Laien. Und da sitzt nun mal nicht jeder Ton perfekt, sondern schleicht sich schon mal die ein oder andere kleine Dissonanz ein. Und: Der Chor verstummt vor Schreck, als er mal kurz völlig ohne Begleitung singen soll. Doch das macht nichts. Es geht um Freude an den Tönen und Spaß am Musizieren und dieser Funke springt denn auch deutlich über und am Schluss ist der Chef am Dirigentenpult unter den Arkaden sichtlich zufrieden mit seinen teils unbekannten Schützlingen.

Zum zweiten Mal hat das Landestheater in Zusammenarbeit mit der Kulturabteilung der Stadt Coburg und Unterstützung der Sparkasse Coburg-Lichtenfels, zum Symphonic Mob auf dem Schlossplatz am Samstagnachmittag aufgerufen und Musik interessierte Menschen zu einem spontanen Mitmach-Konzert eingeladen. Wem der Umgang mit Tasten, Mundstücken oder Bogen fremd ist, hatte die Möglichkeit, auch ohne Instrument "nur" im Chor mit zu singen. Einige Wochen vorher konnten die Noten und Texte bereits online heruntergeladen und geübt werden, doch vor der Aufführung auf dem Schlossplatz wird auch noch eine Stunde unter der Leitung von Roland Kluttig geprobt.

15.09.2019 - Symphonic Mob - Foto: Henning Rosenbusch

Symphonic Mob
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Im Vorfeld der Probe erklingen hier und da schon ein paar zaghafte Töne. Der siebenjährige Tobias bläst in seine Trompete, Mama Alice begleitet ihn auf der Klarinette. Tobias ist bereits ein kleiner Profi, er ist jüngstes Mitglied im Jugendblasorchester Ebensfeld und besucht die Lichtenfelser Musikschule. Einmal täglich steht eine halbe Stunde Trompeten auf dem Programm. Sein Instrument lässt sich zumindest tragen, da hatte es Lucy aus Neustadt schon schwerer: "Ich bin mit meiner Tuba im Zug angereist und habe sie dann vom Bahnhof auf den Schlossplatz gekarrt", berichtet die Achtzehnjährige, die in Bayreuth in der Uni Bigband mitspielt.

Auf dem 30 Minuten dauernden Programm stehen die Carmen-Suite "Auf in den Kampf Torero" von George Bizet, der Gefangenenchor aus Nabucco, der Zigeunerchor aus "Il trovatore", beides Opern von Giuseppe Verdi, sowie Edward Elgars erster Marsch aus "Pomp and Circumstance" und, als einziges instrumentales Stück, "Nimrod" aus den Enigma-Variationen. Werke, die durch die Bank anspruchsvoll sind und den rund 150 Teilnehmern einiges abverlangten. Der Orchesterchef weiß dies durchaus zu würdigen und gibt die ein oder andere witzige Hilfestellung, die für lautes Gelächter sorgt: "Wenn Ihnen der Text auf Italienisch zu schwierig ist, machen Sie einfach irgendetwas. Summen oder lallen Sie." Auch sein Orchester bekommt Tipps für "mehr Inbrunst". Die Saxophone sollen den Laden aufmischen, die Becken mehr Show machen, die Streicher ihre Instrumente bearbeiten, bis "das Kolophonium raucht", denn: "Das Spiel gerade war superkorrekt und ein bisschen langweilig. Es muss krachen."

Den Aufforderungen, die von Worten in der Bandbreite eines zögerlichen, gedehnten "Okays" bis hin zu "hervorragend" und "fabelhaft" begleitet werden, wird Folge geleistet. Die Töne schweben über den Schlossplatz, das Miteinander klappt gut. Die Arkaden füllen sich mit Menschen, immer mehr Personen bleiben stehen, wippen mit den Füßen, begleiten den Takt dieser Melodien, die jeder kennt. Strahlend blauer Himmel zeigt sich über der Stadt und dann wird es fast ein bisschen feierlich und eine besondere Atmosphäre liegt über dem Platz. Gänsehaut stellt sich ein, als das "richtige" Konzert Punkt 14.30 Uhr beginnt und mit Edward Elgars inoffizieller englischer Nationalhymne "Land of Hope and Glory" seinen prunkvollen Abschluss findet. Das "Coburg Schlossplatz-Orchestra" wird wohl nicht den letzten Symphonic Mob in der Vestestadt gegeben haben. Was ihn (mit) ausmacht ist das, was die elfjährige Flötistin Mira begeistert formuliert: "Hier herrscht ein tolles Gemeinschaftsgefühl." Und das ist deutlich zu spüren.

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Maja Engelhardt

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Veröffentlicht am:
16. 09. 2019
08:04 Uhr

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Maja Engelhardt

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Veröffentlicht am:
16. 09. 2019
08:04 Uhr