Bad Salzungen

Ernsthaft krank oder doch "nur" ein Reizdarm?

Darmbeschwerden können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.



Martin Wernicke, Chefarzt Innere Medizin I am Klinikum Bad Salzungen, bei der Ultraschalluntersuchung (Sonographie) eines Patienten. Foto: Heiko Matz
Martin Wernicke, Chefarzt Innere Medizin I am Klinikum Bad Salzungen, bei der Ultraschalluntersuchung (Sonographie) eines Patienten. Foto: Heiko Matz  

Bad Salzungen - Patienten, die am Darm erkrankt sind, leiden mitunter sehr unter ihrer Erkrankung. Die Lebensqualität kann stark eingeschränkt sein. Viele Patienten haben immer noch Scheu, darüber zu reden. Der Arzt wird häufig zu spät aufgesucht. Deshalb wird sich das nächste gemeinsame Gesundheitsforum des Klinikums Bad Salzungen mit Südthüringer Zeitung und  Freies Wort am 20. März mit drei Darm-Krankheiten genauer beschäftigen: Mit der chronisch entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn, der Divertikulitis, das sind entzündete Darmausstülpungen, und der Diagnose Reizdarm.

Gesundheitsforum

Mittwoch, 20. März

16 bis 18 Uhr:

Gesundheitsmesse im Foyer des Klinikums

18 Uhr bis 20.30 Uhr:

Gesundheitsforum in der Cafeteria

Vorträge:

"Morbus Crohn - chronisch entzündliche Darmerkrankung"

(Gastroenterologin Dr. Sabine Radegast)

"Divertikulitis - Wenn sich Darmausstülpungen entzünden" (Oberarzt Thoralf Fromberger)

"Reizdarm - Blähungen, Verstopfung, Durchfall - Was steckt dahinter und was kann man tun?" (Chefarzt Dr. Martin Wernicke)

 

Stefanie Gorzize vom Thüringer Landesverband der Deutschen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV), selbst von Morbus Crohn betroffen, will zum Gesundheitsforum Mut machen, sich von der Krankheit nicht unterkriegen zu lassen und Hilfe in Selbsthilfegruppen oder in der DCCV zu suchen. Obwohl sie einen sehr schweren Verlauf der tückischen Krankheit Morbus Crohn durchleiden musste, will sie Hoffnung geben. "Man stirbt nicht am Crohn, man stirbt mit dem Crohn." Mit neun Jahren hatte sie die ersten Symptome. Erst mit 18 Jahren, im November 2004, erhielt sie nach einer Ärzte-Odyssee die Diagnose Morbus Crohn. So bitter die Diagnose auch war, die junge Frau war froh, dass sie endlich wusste, woran sie erkrankt ist und dass nun endlich eine Therapie beginnen konnte. Der Verlauf ihrer Krankheit gestaltete sich außerordentlich kompliziert, sodass die Mutter eines gesunden vierjährigen Sohnes aus Kaltennordheim heute mit einem künstlichen Darmausgang leben muss.

 

Morbus Crohn

Dass Morbus Crohn in der Regel nicht so einen komplizierten Verlauf haben muss und heute gut behandelt werden kann, möchte zum Gesundheitsforum Dr. Sabine Radegast, Fachärztin für Innere Medizin/Gastroenterologie, vorstellen. Sie möchte Betroffene, die vermehrt unter Durchfall leiden, Bauchschmerzen haben und deren Allgemeinbefinden sich infolgedessen verschlechtert, ermutigen, sich frühzeitig an einen Gastroenterologen zu wenden. Ein langer Leidensweg kann dadurch vermieden werden. Die Überweisung kann durch den Hausarzt erfolgen.

Ein ausführliches Gespräch, Stuhl- und Blutuntersuchungen, Ultraschall und eine Magen- und Darmspiegelung geben meist Aufschluss darüber, ob der Patient an Morbus Crohn leidet.

Ist die Diagnose gestellt, gibt es heute gute Behandlungsmöglichkeiten und viele Patienten können ein relativ normales Leben führen. Auch der künstliche Darmausgang bei einem Crohn sei eher die Ausnahme, versichert Fachärztin Radegast, die zum Forum die modernen Therapieformen darstellen wird.

Divertikel

Darmausstülpungen, Divertikel, haben viele Menschen. Oft machen sie keine Probleme. Die meisten dieser Ausstülpungen befinden sich im vorletzten Abschnitt des Dickdarms, dem sogenannten Sigma. Wenn sich Divertikel entzünden, kann es bis zum Darmverschluss und zur Darmperforation kommen. Diese Patienten landen in der Notaufnahme. Ihr Zustand ist lebensbedrohlich. Deshalb muss operiert werden, erklärt Thoralf Fromberger, Oberarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. In einem solchen Fall müsse der befallene Darmabschnitt operativ entfernt werden. Dazu gebe es keine Alternative. Meist komme der Patient auch um einen temporären künstlichen Darmausgang nicht herum. In der Regel könne der aber nach drei Monaten, wenn sich der Darm erholt hat, wieder zurückverlegt werden, so der Oberarzt, der neben den operativen Möglichkeiten auch die medikamentöse Therapie bei einer Divertikulitis zum Forum vorstellen wird.

Reizdarm

Dem Reizdarm widmet sich der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I, Dr. Martin Wernicke. Die zentrale Frage: Was tun, wenn Blähungen, Verstopfungen und Durchfall dem Patienten des Leben schwer machen, aber kein Arzt etwas findet? Diese Patienten haben oft einen großen Leidensdruck, weiß der Chefarzt. Die Untersuchungen, das ausführliche Gespräch, Stuhl- und Blutuntersuchungen, Ultraschall, Magen- und Darmspiegelung bringen kein Ergebnis. Bei einem Reizdarm sind sie ohne Befund. Für Patienten und Ärzte gleichermaßen eine schwierige Situation. Die Kassen zahlen nicht, Ärzte fühlen sich oft hilflos und die Patienten fühlen sich unverstanden und leiden, so der Chefarzt.

Wenn chronische Darmentzündungen und Darmkrebs aktuell ausgeschlossen werden konnten und die Diagnose Reizdarm gestellt wurde, kann die Therapie beginnen. Welche Medikamente auf dem Markt sind und wie Betroffenen geholfen werden kann, wird der Chefarzt zum Gesundheitsforum erklären.

Wie bei allen Erkrankungen kommt es auch bei der Therapie aller Darmerkrankungen auf die Mitwirkung des Patienten an. Wer am Darm erkrankt ist, muss in der Regel die Ernährung umstellen und sich viel bewegen. Wichtig auch, der Stress muss aus dem Leben genommen werden. Meist ist das im Arbeitsalltag schwierig, aber Entspannungstechniken können helfen.

Der Darm hat ein eigenes Nervensystem und dieses steht in enger Beziehung mit dem zentralen und vegetativen Nervensystem. Es reagiert daher anfällig auf Unruhe, Kummer und Überforderung. Nicht umsonst heißt es "aus dem Bauch heraus entscheiden". Mutet man dem Bauchgefühl auf Dauer zu viel zu, kann das zu Krankheiten, unter anderem auch zu einem Reizdarm führen, so der Chefarzt.

Autor
Ute Weilbach

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Veröffentlicht am:
13. 03. 2019
15:54 Uhr

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Ute Weilbach

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13. 03. 2019
15:54 Uhr