Bad Salzungen

Robuste Laubbäume ersetzen tote Fichten

Einen Überblick über den aktuellen Zustand des Kommunalwaldes in den Revieren Rockenstuhl und Geisaer Wald erhielten die Stadträte und Ortsteilbürgermeister der Stadt Geisa bei einer Waldbegehung.



Die Stadträte und Ortsteilbürgermeister von Geisa informierten sich bei einem Waldgang über den Zustand des Kommunalwaldes der Stadt Geisa. Foto: Hans Ludwig Vogt
Die Stadträte und Ortsteilbürgermeister von Geisa informierten sich bei einem Waldgang über den Zustand des Kommunalwaldes der Stadt Geisa. Foto: Hans Ludwig Vogt   » zu den Bildern

Geisa - Die beiden zuständigen Revierförster Matthias Schorr und Sven Roos begrüßten die Teilnehmer der Waldbegehung an der Kreuzung Rockenstuhl. "Die Situation im Revier Rockenstuhl ist außerordentlich angespannt", erläuterte Sven Roos. Von den 313 Hektar Stadtwald im Revier sind beziehungsweise waren circa 26 Prozent mit Fichten bestockt. Aufgrund der Trockenheit in den letzten Jahren sowie durch den Borkenkäferbefall haben diese stark gelitten. Die betroffenen Stellen hatte man versucht schnellstmöglich zu beräumen, wodurch mittlerweile große Kahlflächen entstanden sind. Von diesen konnten sich die Stadträte vor Ort überzeugen, ebenso von den vor Ort noch vorhandenen abgestorbenen Fichtenbeständen.

Der Revierförster ging weiterhin auf die schlechte Absatzlage und die extrem niedrigen Holzpreise ein, die eine Vermarktung der Bestände außerordentlich schwierig machen. Besonders am Rößberg bei Ketten an der thüringisch-hessischen Grenze gibt es mittlerweile eine große schwierig zu fällende Fläche von abgestorbenen Fichtenbäumen. "Wir haben hier zwei Alternativen", so Sven Roos: "Entweder investieren wir 20 000 Euro in Holzerntekosten und müssen geringe bis keine Erlöse in Kauf nehmen oder wir lassen diesen Bestand vorläufig so stehen und nutzen das Holz in vier bis fünf Jahren für den Eigenbedarf der städtischen Hackschnitzelanlage."

Ebenso sieht der Förster bei einer Abholzung die Gefahr der Verbuschung. "Diese ist nur mit sehr viel Aufwand und Kosten wieder zu beseitigen", so Roos. Die Stadträte waren sich einig darüber, den Bestand an toten Fichtenbäumen vorerst stehen zu lassen, und beschlossen dies später auch in einer folgenden Stadtratssitzung. Weiterhin diskutierte man vor Ort, wie die Kahlflächen wieder mit entsprechenden Baumarten wie Buche, Tanne, Bergahorn oder Wildkirsche aufgeforstet werden können. Im zweiten Teil der Exkursion führte Revierförster Matthias Schorr den Stadtrat in das Revier Geisaer Wald, wo seit zehn Jahren bereits Risikovorsorge durch die aktive Umwandlung nicht standortgerechter Nadelwälder in standortgerechte Laubmischwälder vorgenommen wurde. Hier erläuterte der Förster dem Stadtrat anhand drei verschiedener Voranbauflächen aus den Jahren 2010 bis 2017 die nachhaltige Vorgehensweise. "Bevorzugt haben wir hier robuste Baumarten wie Eiche, Hainbuche, Spitzahorn, Bergahorn, Kirsche und Elsbeere für die Neuanpflanzung gewählt", so Matthias Schorr. Anhand von Beispielen demonstrierte er deren Wuchsverhalten und Zuwächse.

Beeindruckt waren die Exkursionsteilnehmer von einem Bergahorn, der 2011 gepflanzt wurde und mittlerweile durch gute Standortbedingungen mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern und einer Höhe von zirka fünf Metern sich sehen lassen konnte. "Die etwa zehn Hektar umgewandelte Flächen wurden mit Fördergeldern der EU zu circa 85 Prozent finanziert", erläuterte der Revierförster. Die erfolgreiche Akquirierung von Fördermitteln sei auch der guten Zusammenarbeit zwischen dem Forstamt Bad Salzungen und der Stadt Geisa zu verdanken, ist Schorr der Meinung.

Auf die Frage eines Stadtratsmitgliedes, warum bei dieser schwierigen Situation im Wald überhaupt noch Laubholz eingeschlagen wird, erläuterte der Förster, dass die einheimische Laubholz-Sägeindustrie auf das Laubstammholz angewiesen sei. "Alleine in 2020 haben wir regionale Betriebe mit etwa 1000 Festmetern beliefert", so der Revierförster. Damit könne ein Teil der Produktion aufrechterhalten und Arbeitsplätze könnten gesichert werden. Der Preis für Laubstammholz und Industrieholz sei weiterhin auf gutem Niveau. "Diese Einnahmen brauchen wir dringend, um Aufforstungen zu finanzieren, Wege zu bauen und zu pflegen, damit sie von Fuhrunternehmen zum Holztransport zur Verfügung stehen und auch von Tourismus und Wanderern genutzt werden können", betonte Schorr. Das Revier Geisaer Wald verfügt zudem über einen Laubholzanteil von 70 Prozent, der Bestand an Fichte liegt bei 10 Prozent. "Wir müssen im Haushalt langfristig Investitionen in unseren Kommunalwald vorsehen", so Bürgermeisterin Manuela Henkel (CDU). "Zum einen wollen wir einen nachhaltigen Waldanbau voranbringen, zum anderen muss Forstwirtschaft auch wirtschaftlich bleiben."

Autor

Redaktion
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
03. 08. 2020
00:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Baumarten CDU Entwaldung Erlöse Forstämter Holzpreise Laubholz Laubmischwald Stadträte und Gemeinderäte Städte Wald und Waldgebiete
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Fichten haben auch im Unterbreizbacher Forst keine Zukunft.

22.05.2020

Überall neue Bäume, die sterben: "Das ist kein schöner Anblick"

Die veränderten klimatischen Verhältnisse setzen vielen Bäumen zu. Die Fichte werde sich "langfristig in unseren Breiten ganz verabschieden", sagt der für den Unterbreizbacher Kommunalwald zuständige Revierförster. Bei d... » mehr

Wiederaufforstung eines ehemaligen Fichtenbestandes oberhalb des "Frühstücksbuchenplatzes". Fotos: Matthias Schorr

13.03.2020

Geld vom Land hilft dem Stadtwald

Die Stadt Geisa erhielt vom Land Thüringen eine Zuwendung von 123.400 Euro als Ausgleich für Extremwetterereignisse und investiert diese in den Stadtwald. Das beschloss der Stadtrat einstimmig. » mehr

Ortsteilbürgermeister Burkhard Seifert (links) im Gespräch mit Polier Falko Müller: In der nächsten Woche kommt die Tragdeckschicht auf die "Salzunger Straße" und bis Oktober wird auf den letzten 59 Metern für den Kanalbau noch einmal ausgeschachtet. Ab Mitte Oktober soll der Verkehr wieder rollen. Foto: H. Matz

21.08.2020

Umgebung des Schönsees profitiert vom Straßenbau

Die Arbeiten an der "Salzunger Straße" in Urnshausen, zu der ein Teilstück der B 285 gehört, stehen vor dem Abschluss. Als Ausgleich für das Bauprojekt werden am Schönsee neue Bäume gepflanzt. » mehr

Otto von Butler auf der Höhe der alten Freileitung , wo das geplante Windvorranggebiet beginnt. Sieben Anlagen könnten auf Butlerschem Grund stehen.

10.09.2020

Geld von Windkraftanlagen soll beim Waldumbau helfen

Windräder im Wald, das Thema bewegt die Gemüter. Einer der Waldbesitzer im Windvorranggebiet W4 zwischen der Langenfelder Abspanne und der Hämbacher Höhe ist Otto von Butler. Für ihn sind Windräder im Wald auf einer klei... » mehr

Immer wieder gibt es während des Wald-Rundgangs einen Halt. Interessiert folgen die Teilnehmer den Ausfürungen von Försterin Antje Jarski. Sie ist zuständig für das Revier Windsberg. Fotos (2): Ilga Gäbler

15.09.2019

Mit der Försterin durch den todkranken Wald

Dem Wald geht es so schlecht wie nie - auch im Revier Windsberg. Wie schlimm es um Fichte, Buche und Co. bestellt ist, nahmen etwa 50 Bürger bei einem Rundgang mit Revierförsterin Antje Jarski in Augenschein. » mehr

An der Waldbegehung nahmen mehr als 20 Interessierte teil. Darunter Bad Liebensteins Bürgermeister Michael Brodführer, Landtagsmitglied Marcus Malsch und Schweinas Ortsteilbürgermeister Thomas Mieling. Fotos (2): Heiko Matz

27.08.2020

"Wir kämpfen wie die Löwen"

Der 12. Campus.Schweina führte diesmal in die Natur - zu einem Waldrundgang mit Försterin Antje Jarski. Die zeichnete ein düsteres Bild der aktuellen Lage, nicht ohne den ein oder anderen Hoffnungsschimmer. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall ICE Schafe Schalkau Tunnel Müß

ICE rammt Schafherde | 23.09.2020 Schalkau Tunnel Müß
» 14 Bilder ansehen

2020-09-22

Feuerwehr-Übung Ilmenau | 22.09.2020
» 17 Bilder ansehen

Großbrand Themar Themar

Großbrand Themar | 22.09.2020 Themar
» 57 Bilder ansehen

Autor

Redaktion

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
03. 08. 2020
00:00 Uhr