Feuilleton

Guckkasten

Bedingungslose Freundschaft

"Zuckersand" -am Mittwoch, 20.15 Uhr, im Ersten gesehen Die Bravo und ein Bumerang kommen aus dem Westen, die Kindersehnsüchte, die ihre Bilder und Geschichten auslösen, gedeihen auch im Osten.



"Zuckersand" -am Mittwoch, 20.15 Uhr, im Ersten gesehen

 

Die Bravo und ein Bumerang kommen aus dem Westen, die Kindersehnsüchte, die ihre Bilder und Geschichten auslösen, gedeihen auch im Osten. Falkenwerder in Brandenburg, Ende der Siebziger. Freds 14-jährige Schwester verlangt die Pille, die zehnjährigen besten Freunde Fred (Tilman Döbler) und Jonas (Valentin Wessely) wollen sich durch den Erdball graben, um in Australien Kängurus zu beobachten und Telepathie zu lernen. Behütete, abenteuerlustige Kinder und liebende Eltern zwischen Arrangement und Ohnmacht. Sie bremsen sachte, aus unterschiedlichen Gründen. Jonas' Mutter glaubt an Gott, hat einen Ausreiseantrag gestellt. Freds Vater glaubt an die Partei, sieht seinen Sohn schon als Olympiasieger. Als Fred nicht mehr mit seinem Freund spielen darf, treffen sie sich heimlich und verabreden sie in Australien.

Gewiefte Lausebengel, nie um eine Antwort verlegen, die vom Joch der Unterdrückung palavern, ohne zu wissen, was ein Joch ist. Ihre bedingungslose Freundschaft und ihre naiven Träume bringen ihr Umfeld in Teufels Küche, Jonas findet gar den Tod. Trotz schwerer Geschichte erzählt Dirk Kummer authentisch und leicht von Kindern und Eltern in der DDR, findet dafür wunderschöne, einfache Bilder und knackige Dialoge sowie zwei kleine Darsteller, die für die kindliche Perspektive zwischen Unverständnis, Intuition und Vertrauen ein Glücksfall sind. "Zuckersand" steht für den feinen Brandenburger Sand, der einmal in Bewegung gebracht, nicht aufzuhalten ist. Das emotionale Familiendrama ist ein mitreißendes Plädoyer gegen das Vergessen und für die Freundschaft und beweist, wie wahrhaftig und gehaltvoll es sein kann, ohne Verzerrung, Überzeichnung und Comedy das Leben in der DDR nachzuzeichnen.

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Stefanie Grießbach
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Veröffentlicht am:
11. 10. 2017
23:32 Uhr

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Stefanie Grießbach

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11. 10. 2017
23:32 Uhr