Feuilleton

Chöre in Thüringen im Corona-Ausnahmezustand

Beim Singen in Chören kann das Coronavirus verbreitet werden - das haben Studien ergeben. Hygieneauflagen und Abstandsregeln stellen die Chöre deshalb auch in Thüringen vor große Herausforderungen.



Manuel Bethe dirigiert Anfang Februar den Chor des Meininger Theaters. An solche Auftritte ist derzeit (noch) nicht zu denken.
Manuel Bethe dirigiert Anfang Februar den Chor des Meininger Theaters. An solche Auftritte ist derzeit (noch) nicht zu denken.   Foto: ari

Die Corona-Krise belastet die Chorszene in Thüringen massiv. «Im Normalbetrieb ist niemand», beschreibt der Landessingwart der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM), Mathias Gauer, die Situation.

Obwohl das gemeinsame Proben unter Hygieneauflagen seit dem 1. Juni in Thüringen eigentlich wieder erlaubt ist, hätten einige Chöre das Proben noch nicht wieder aufgenommen - etwa, weil viele Mitglieder zur Risikogruppe gehören oder die räumlichen Möglichkeiten fehlten, sagte Maximilian Lörzer, Vizepräsident des Chorverbands Thüringen.

Auch die katholischen Chöre schränken sich ein: «In Gottesdiensten des Bistums Erfurt singen während der Coronazeit keine Kirchenchöre», erklärt Sprecher Peter Weidemann. Aktuell übe nur der Kinder- und Jugendchor des Erfurter Doms in Einzelstimmen im Lichthof des Kreuzgangs.

Freiberufliche Chorleiter in der Klemme

Die Chöre der EKM seien teilweise ebenfalls auf getrennte Stimmproben zu unterschiedlichen Terminen unter der Woche umgestiegen, andere böten Online-Proben an oder übten in den Kirchengebäuden, so Gauer. Unter anderem ist für das gemeinsame Singen ein Mindestabstand vorgeschrieben, hinzu kommen zum Beispiel Belüftungsregeln. Weil seit März keine Auftritte absolviert wurden, sei auch die Zukunftsperspektive völlig unklar.

Ähnlich schildert Fabian Pasewald die Lage. Der freiberufliche Chordirigent leitet unter anderem den Studierendenchor Collegium Vocale der Universität Jena mit etwa 90 Mitgliedern. «Sowohl Zuschauer als auch Chormitglieder scharren mit den Hufen, wann es weiter geht.» In diesem Jahr seien unter anderem eine geplante Chorreise nach Lettland, die Teilnahme am Chorwettbewerb und eine Kooperation mit dem Theater Erfurt ins Wasser gefallen.

Für Unverständnis sorgt, dass etwa Flugreisen mittlerweile wieder erlaubt seien, Chorauftritte hingegen nicht.

Chor-Auflösungen aufgrund von Corona sind dem Verband aktuell nicht bekannt. Dramatisch sei die Situation allerdings für die überwiegend freiberuflich arbeitenden Chorleiter. Weil die Corona-Soforthilfen in Thüringen nur für Betriebsausgaben verwendet werden dürften, komme diese Hilfe nicht an. «In unserem Berufsfeld fallen keine Betriebskosten an. Wir arbeiten, um die Miete und das Essen zu bezahlen», sagt Pasewald. Für die Betroffenen bleibe oft nur das Beantragen von Arbeitslosengeld II. «Für andere Teile der Gesellschaft existieren da würdevollere Auffangmechanismen.»
 

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dpa

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Veröffentlicht am:
01. 08. 2020
16:55 Uhr

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