Thüringen

Keine neuen Landkreise - und traditionelle Wahlergebnisse

Kommunalwahlen wie die am Sonntag gehorchen ihren eigenen Gesetzen: Mehr als Parteiprogramme zählen die Persönlichkeiten der Kandidaten.



Die Qual der Wahl - wie hier in Zella-Mehlis hatten in einigen Orten die Bürger sogar gleich zwei Entscheidungen zu treffen. Foto: ari
Die Qual der Wahl - wie hier in Zella-Mehlis hatten in einigen Orten die Bürger sogar gleich zwei Entscheidungen zu treffen. Foto: ari  

Ein Bürgermeister oder Landrat, der sich keine großen Schnitzer erlaubt, kann relativ fest damit rechnen, wiedergewählt zu werden. Entsprechend eindrucksvoll fallen die Resultate am Abend bereits aus, als etwa die Hälfte der Stimmen ausgezählt ist: Im Eichsfeld, im Wartburgkreis, im Kreis Sömmerda und im Kreis Greiz liegen die Amtsinhaber schon zu diesem Zeitpunkt bei etwa drei Viertel der Stimmen - und zum Teil auch noch ein ganzes Stück darüber. Kunststück:Harald Henning (CDU) im Kreis Sömmerda hatte keinen Gegenkandidaten und landete deutlich über 90 Prozent.

Auch noch recht deutlich schneiden ihre Kollegen in Gera, Weimar, dem Unstrut-Hainich-Kreis, dem Kyffhäuserkreis, Kreis Hildburghausen, Ilm-Kreis, Weimarer Land und dem Saale-Holzland-Kreis ab. Ihre Stimmanteile liegen in den Zwischenergebnissen bei der laufenen Auszählung am Abend recht stabil über 50 Prozent - was nach einer Wiederwahl im ersten Wahlgang aussieht. Und: Parteibücher scheinen hier nicht unbedingt an der ersten Stelle eine Rolle zu spielen, schließlich ist mit Thomas Müller in Hildburghausen ebenso ein CDU-Politiker darunter wie mit Petra Enders eine von der Linken nominierte Landrätin im Ilm-Kreis oder Antje Hochwind von der SPD im Kyffhäuserkreis.

Dabei hätte die Wahl auch das Potenzial gehabt, alles durcheinander zu würfeln - wenn es den einst geplanten Neuzuschnitt der Kreise gegeben hätte. Selbst bei einem Inkrafttreten einer Reform erst in ein paar Jahren, wie es auch einmal erwogen worden war, hätte das Thema Gebietsreform alles dominiert. Doch diese Streitfälle hat Rot-Rot-Grün in Erfurt noch rechtzeitig abgeräumt.

Dass Linke, SPD und Grüne im Land in einer Koalition stehen, muss auf örtlicher Ebene keine Folgen haben - so sorgt zum Beispiel in Eisenach die Kandidatur von SPD-Landesgeschäftsführer Michael Klostermann dafür, dass Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) in die Stichwahl muss.

Aus Landes-Sicht ist dennoch die CDU dabei, den Zustand vor allem der 1990er Jahre wiederherzustellen, als auch die Landkreise fest in CDU-Hand waren - von ein paar Ausnahmen mal abgesehen wie der FDP-Hochburg Jena, das seinerzeit von Peter Röhlinger geführt wurde. Dass jetzt wieder ein FDP-Kandidat vor Amtsinhaber Albrecht Schröter (SPD) liegt, wenn es in zwei Wochen in die Stichwahl geht, ist ein Fingerzeig zu "Rückkehr" in alte Zeiten.

Nach Auszählung von etwa 95 Prozent der Stimmbezirke lag die CDU am Sonntag nach Zahlen des Statistischen Landesamtes bei 38,2 Prozent der Stimmen. Bei der Direktwahl der kommunalen Amtschefs vor sechs Jahren hatte die CDU ebenfalls als stärkste Partei abgeschnitten und die meisten Landräte gestellt.

Eine Überraschung gab es in Weimar, wo Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD) bereits im ersten Durchgang abgewählt wurde und sich der von CDU und Weimarwerk/Bürgerbündnis unterstützte Peter Kleine mit 60,3 Prozent durchsetzte. In Gera ist die von der CDU unterstützte Amtsinhaberin Viola Hahn offensichtlich aus dem Rennen, dafür steht der AfD-Kandidat Dieter Laudenbach in der Stichwahl in zwei Wochen.

Die SPD, die ihre Hochburgen traditionell in den größeren Thüringer Städten hat, kam nach dem Auszählungsstand auf 17,0 Prozent - 2012 waren es noch 23,8 Prozent. Damit scheint der Bundestrend auch ein Stück auf die Kommunen durchzuschlagen. Die Linke folgte mit einem Stimmenanteil von 11,7 Prozent, ebenfalls unter ihrem Wert von 2012 von 15,3 Prozent. Die AfD, die erstmals seit Gründung in Thüringen bei Landrats- und Oberbürgermeisterwahlen antrat, erreichte 10,3 Prozent. Grüne und FDP lagen um drei Prozent.

In 46 Kommunen mit rund 242 000 Einwohnern wurde am Sonntag nicht gewählt. Sie wollen sich zu 13 größeren Gemeinden zusammenschließen. In diesen neuen Strukturen könnten die Bürgermeister im Herbst gewählt werden.

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Jens Wenzel, Simone Rothe
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Veröffentlicht am:
16. 04. 2018
00:00 Uhr

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Jens Wenzel, Simone Rothe

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16. 04. 2018
00:00 Uhr