Thüringen

Kliniken in Thüringen sehen sich für zweite Corona-Welle gerüstet

Eine zweite Corona-Welle mit weitreichenden Einschränkungen wünscht sich keiner. Krankenhäuser müssen aber für den Fall der Fälle vorbereitet sein. Erfahrungen haben sie in der ersten Pandemie-Phase gesammelt.



Coronavirus - Intensivbett
Ein Intensivbett in der perioperativen Intensivtherapie einer Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie.   Foto: Bernd Wüstneck, dpa

e Krankenhäuser in Thüringen sehen sich für eine mögliche zweite Corona-Welle gerüstet. «Mit der ersten Welle sind die Häuser relativ gut klargekommen», sagte Andreas Weichert, Referent bei der Landeskrankenhausgesellschaft, in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Zu keinem Zeitpunkt» seien sie wegen Corona an ihrem Leistungslimit gewesen. Auch bei einer zweiten Welle könnten schnell Betten für Covid-19-Patienten frei gemacht und planbare Behandlungen verschoben werden, die anfänglichen Engpässe bei Schutzkleidung, -masken und Desinfektionsmitteln seien weitgehend ausgeräumt.

«Allerdings sind die Preise für Kittel, Kopfhauben, Mundschutz oder auch Beatmungsschläuche noch nicht wieder da, wo sie mal waren», sagte Uwe Koch, Geschäftsführer des Krankenhauses Apolda. «Das ist Material, das sich rasch verbraucht.» Die Thüringen-Kliniken Saalfeld mit zwei weiteren Standorten in Pößneck und Rudolstadt haben vorsorglich einen Dreimonatsvorrat an Verbrauchsmitteln und Schutzkleidung angelegt und Desinfektionsmittel in der klinikeigenen Apotheke auf Vorrat hergestellt, wie eine Sprecherin mitteilte. Das SRH-Zentralklinikum Suhl profitiert nach Angaben von Sprecher Christian Jacob von einem zentralen Lager für Schutz- und Verbrauchsmaterial, das die deutschlandweit agierende Klinikgruppe angelegt hat.

Wegen der Pandemie haben die 43 Akutkrankenhäuser in Thüringen, die sonst jährlich fast 600 000 Patienten behandeln, wochenlang vorsorglich Betten für Corona-Infizierte frei gehalten und schiebbare Operationen abgesagt. Dafür können sie Ausgleichszahlungen erhalten. Bis Mitte August hat das Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) nach Angaben einer Sprecherin Zahlungen von vorerst rund 227 Millionen Euro nach Thüringen überwiesen.

Pro frei gehaltenes Bett erhielten Kliniken bislang pauschal 560 Euro pro Tag, inzwischen gibt es laut BAS differenzierte Beträge. Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte jüngst beklagt, dass der Einheitsbetrag Universitätskliniken wie das in Jena wegen der dort anfallenden höheren Kosten benachteilige.

Nach Einschätzung von Krankenhäusern kommen die Gelder auch zeitgerecht an. «Das läuft komplikationslos», sagte Guido Hage, Geschäftsführer des Südharz-Klinikums mit 800 Betten. Ähnlich schätzen dies Thüringen-Kliniken und Krankenhaus Apolda ein. «Ohne dieses Geld wäre vielen Krankenhäusern schon längst die Luft für Investitionen und Gehälter ausgegangen», sagte der Suhler Kliniksprecher Christian Jacob.

Hingegen dauere es in Thüringen mit den Hilfen für zusätzliche Beatmungsplätze - 50 000 Euro je Platz - länger als in anderen Bundesländern, kritisierte er. Für das Klinikum Suhl gehe es immerhin um 20 solcher Plätze. Das Geld erhalten die Häuser laut Thüringer Gesundheitsministerium, wenn sie den Nachweis erbringen, dass sie die Plätze geschaffen haben.

Dem Ministerium zufolge haben 30 Kliniken Zuschüsse für neue Beatmungsplätze beantragt, bis Mitte August wurden 28 Genehmigungen über insgesamt 393 zusätzliche Plätze erteilt. In den Thüringen-Kliniken etwa wurden 25 neue Beatmungsplätze eingerichtet, im Apoldaer Krankenhaus drei.

Teilweise hatten Thüringer Krankenhäuser auch Kurzarbeit wegen der Pandemie beantragt. Bei der Landesarbeitsagentur waren nach Angaben einer Sprecherin zwischen März und Juni 52 Anzeigen von Kliniken für insgesamt rund 2700 Beschäftigte eingegangen. Wenn Häuser allerdings derzeit die Ausgleichszahlungen für entgangene Einnahmen erhielten, könnten sie nicht gleichzeitig Kurzarbeitergeld für ihre Beschäftigten von der Arbeitsagentur erhalten, erläuterte die Sprecherin.

Das hat etwa das Südharz-Klinikum, das 60 Beschäftigte im Servicebereich wie Wäscherei und Küche in Kurzarbeit schickte, erfahren müssen. «Wir hatten eine Betriebsvereinbarung geschlossen und das Kurzarbeitergeld aus eigenen Mitteln aufgestockt», berichtet Hage. Zwei Monate später seien überraschend die Konditionen dafür geändert worden. «Da hatten wir die Leute aber schon in Kurzarbeit und bleiben nun auf den Kosten dafür sitzen.» Das Krankenhaus will dies nun gerichtlich klären lassen.

Veröffentlicht am:
29. 08. 2020
11:21 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
29. 08. 2020
11:21 Uhr