Thüringen

Südthüringer Stromtrassen sollen aufgerüstet werden

Neuer Ausbauplan im 110-kV- Stromnetz: Im Süden Thüringens sollen 86 Kilometer bestehender Hochspannungsleitungen für mehr Kapazität aufgerüstet werden. Die Begründung: Mehr Ökostrom.



Berlin/Hildburghausen - Die Hochspannungsleitungen zwischen Suhl, Themar und Hildburghausen, zwischen Hildburghausen, Eisfeld und Sonneberg sowie zwischen Sonneberg und Saalfeld sollen in den nächsten zehn Jahren aufgerüstet werden. Das sieht die neue gemeinsame Ausbauplanung vor, die die ostdeutschen Verteilnetzbetreiber am Donnerstag veröffentlicht haben. Begründet wird der Ausbaubedarf mit regionalen Engpässen, die wiederum auf den Zuwachs bei der dezentralen Stromerzeugung zurückgeführt werden.

In Südthüringen geht es um eine Trassenlänge von 86 Kilometern mit je zwei Leitungssystemen. Die mit maximal 110 Kilovolt betriebenen Verteilnetze sorgen für die regionale Stromzufuhr, während die Übertragungsnetze mit den viel größeren 380-Kilovolt-Systemen den Strom quer durch Deutschland transportieren. Für die Verteilnetze in Thüringen ist die TEAG-Tochter Thüringer Energienetze (TEN) zuständig. Für beide Netzarten müssen die Betreiber alle zwei Jahre aktualisierte Pläne vorlegen. Der nun fertig gestellte Plan umfasst die Vorhaben bis zum Jahr 2030.

"Schon heute übersteigt in zahlreichen Verteilnetzbereichen die Stromerzeugung den dortigen Verbrauch um ein Vielfaches", heißt es in der Begründung für den Zubau. Mit der Energiewende, so argumentieren die Betreiber, wird Strom häufiger dezentral erzeugt und ins Verteilnetz eingespeist - nicht wie bei Kohle- und Atomstrom, der direkt ins überregionale Übertragungsnetz geht. Insgesamt müssen nach Ansicht der Betreiber im Osten 2156 Kilometer regionale Hochspannungsleitungen für mehr Kapazität verstärkt werden. Möglich ist das durch zusätzliche, modernere oder höher gelegte Leitungen an den bestehenden Masten. Einzelheiten zu solchen Umbauvorhaben enthält das Papier nicht.

Auf 526 Kilometern sollen sogar neue Trassen gebaut werden, teils auch als Erdkabel. In Thüringen betrifft das auch die Region zwischen Arnstadt und Erfurt. Das Umspannwerk am Erfurter Kreuz soll eine fünf Kilometer lange Anbindung ans Hochspannungsnetz erhalten. Neue Kabel in ähnlicher Länge sollen nahe Küllstedt (Eichsfeld) und Eisenberg gezogen werden. Außerdem sind nach dem Plan elf neue Umspannwerke notwendig, davon zwei in Thüringen - in Ebenheim bei Gotha sowie zwischen Eisenberg und Zeitz.

Der Ausbauplan setzt den Bedarf für neue Trassen um ein Fünftel höher an als das Vorgängerpapier von 2017, in dem für Südthüringen noch keine Engpässe vorhergesagt worden waren. Erwartet wird, dass 2030 im Osten 90 Prozent des Stroms aus Wind, Sonne und Biomasse kommen.

Die meisten neuen 110-Kilovolt-Leitungen sollen beim Betreiber Avacon in Sachsen-Anhalt entstehen (170 Kilometer). Beim Betreiber Mitnetz, der den Süden des Bundeslandes sowie die Lausitz und den Westen Sachsens beliefert, sind es 159 Kilometer, in Brandenburg und Vorpommern 120. Mecklenburg braucht 29 Kilometer, Thüringen 18 und Berlin 30 Kilometer.

Unabhängig davon gehen die Planungen im überregionalen Übertragungsnetz weiter, das die Firma 50 Hertz betreibt. Darunter sind die Projekte Südlink und Südostlink, die durch West- beziehungsweise Ostthüringen verlaufen sollen. er

Autor

Redaktion
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
22. 11. 2019
14:37 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Atomstrom Avacon AG Hochspannungsleitungen Stromerzeugung Stromnetze Stromtrassen Südlink Ökostrom
Berlin Hildburghausen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Es geht um mehr als den Südlink. Aus ihrer Geschlossenheit ziehen die verschiedenen Bürgerinitiativen ihre Stärke und glauben daran, dass die Politik ihre Argumente nicht länger ignorieren kann. Archivfoto:dpa

17.01.2020

"Wir sind nicht die Gegner der Energiewende"

Ein alter Bekannter für die Thüringer soll nun helfen, die großen Gleichstrom-Trassen durch Deutschland zu verhindern. Lorenz Jarass ist davon überzeugt, dass seine Argumente dieses Mal bessere Chancen haben als beim Bau... » mehr

Hochspannungsleitungen

21.11.2019

526 Kilometer Hochspannungsleitungen werden im Osten benötigt

Im Osten Deutschlands müssen 526 Kilometer neue Hochspannungsleitungen für die regionalen Strom-Verteilnetze und elf Umspannwerke bis 2030 gebaut werden. Das sieht die gemeinsame Ausbauplanung der Verteilnetzbetreiber vo... » mehr

Die junge Generation wird womöglich mit der Stromtrasse leben müssen, wenn sich nicht wirkungsvoller Protest formiert und gemeinsam gegen den Südlink ankämpft. Deshalb hängt auch ein Protestbanner am Henneberger Kindergarten.

05.06.2019

Regionalplaner rügen viele Fehler beim Südlink

Ein vernichtendes Zeugnis hat die Regionale Planungsgemeinschaft Südwestthüringen den Plänen für die Stromtrasse des Südlink ausgestellt. Gegen viele Grundsätze des Planungsrechts werde verstoßen. » mehr

Dieses Windrad steht seit ein paar Jahren bei Breitungen. Viele neue werden erst einmal nicht gebaut.

22.11.2019

Regel-Chaos bremst die Erneuerbaren aus

Auf Bundesebene zofft sich gerade die CDU/SPD-Koalition um Abstände zu Windrädern, weil es mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien zu langsam geht. Doch in Thüringen sieht die Lage nicht besser aus. » mehr

Anja Siegesmund. Archivfoto: ari

20.12.2019

Netzagentur: Nur Politik kann Stromtrasse P44 stoppen

Die Bundesnetzagentur hat den Netzentwicklungsplan 2030 vorgelegt. Darin enthalten ist auch die Stromtrasse von Altenfeld nach Grafenrheinfeld. Die Netzagentur argumentiert: Stoppen könnte das Projekt allein der Bundesta... » mehr

Beim Infoabend über die Südlink-Trasse konnte sich ein genaues Bild vom Verlauf des geplanten Korridors in der hiesigen Region gemacht werden.

10.12.2019

Gericht weist Thüringer Klage gegen Südlink endgültig ab

Das Bundesverwaltungsgericht gab einen Eilantrag des Freistaats gegen die Planungen der Stromtrasse Südlink durch Thüringen nicht statt. Nun lehnte Deutschlands höchstes Verwaltungsgericht das Ansinnen endgültig ab. Die ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

brand saalborn Saalborn

Wohnhausbrand Saalborn | 17.01.2020 Saalborn
» 29 Bilder ansehen

Platz 1:Auferstanden

Blende 2020 "Verkehrte Welt" |
» 10 Bilder ansehen

Feuerwehr löscht lichterloh brennendes Forstgerät Neuenbau

Brennende Forstmaschine | 15.01.2020 Neuenbau
» 7 Bilder ansehen

Autor

Redaktion

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
22. 11. 2019
14:37 Uhr