Thüringen

Waffen-Deal: Heckler & Koch geht gegen Entscheidung vor

Der Streit zwischen der Bundesregierung und dem Waffenhersteller Heckler & Koch wegen eines Sturmgewehr-Großauftrages verschärft sich. Man habe einen Nachprüfungsantrag eingereicht, teilte das Unternehmen aus Oberndorf im Schwarzwald am Dienstag auf Anfrage mit.



Solch ein Antrag wird auch Vergabebeschwerde genannt, er hat aufschiebende Wirkung - damit liegt die Neubewaffnung der Bundeswehr mit 120 000 Sturmgewehren vorerst auf Eis. Das schon 2017 begonnenen Ausschreibungsverfahren wird somit zur Hängepartie für die Armee.

Das Verteidigungsministerium hatte Mitte September überraschend entschieden, den Auftrag über maximal 245 Millionen Euro an den kleinen Konkurrenten C.G. Haenel vergeben zu wollen. Der Empfehlung des Ministeriums soll der Bundestag noch zustimmen - dies kann er aber erst nach Ende des Rechtsstreits zwischen H&K und dem Bund. Nach Expertenschätzung könnte die Auseinandersetzung über zwei Instanzen ein halbes Jahr dauern.

Wie nun bekannt wurde, hat Heckler & Koch im Kampf um den Großauftrag einen dicken Preisnachlass eingeräumt. dpa erfuhr aus informierten Kreisen, dass die Firma zunächst 235 Millionen Euro für die 120 000 Sturmgewehre eines neuen Modells haben wollte. Im Laufe des Vergabeverfahrens senkte Heckler & Koch seine Preisforderung auf 179 Millionen Euro. Dem Vernehmen nach lag das finale Angebot von Haenel rund 50 Millionen Euro niedriger.

C.G. Haenel ist ein kleiner Waffenhersteller aus Suhl in Thüringen. Er gehört zum Rüstungskonzern Caracal aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Laut Bundesanzeiger machte Haenel im Jahr 2018 lediglich 7,1 Millionen Euro Umsatz mit neun Mitarbeitern plus Geschäftsführung. Unlängst erklärte Haenel, man habe inzwischen 120 Mitarbeiter. Zum Vergleich: Heckler & Koch kommt mit 1000 Beschäftigten auf einen Jahresumsatz von 239 Millionen Euro (2019).

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29. 09. 2020
15:54 Uhr

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