Lokalsport Sonneberg

Angekommen

Die Oberliga-Handballer des Sonneberger HV haben auf harte Art erfahren, wie stark die 4. Liga ist. Satte zwölf Tore mehr wirft der Gast aus Halle. Das 26:38 (14:19) ist die erste Saisonniederlage.



Ratlose Gesichter: Auch Trainer Konstantin Selenow und Manuel Müller (vorne von links) wissen, dass Halle an diesem Tag nicht zu schlagen ist. Foto: C.-H. Zitzmann
Ratlose Gesichter: Auch Trainer Konstantin Selenow und Manuel Müller (vorne von links) wissen, dass Halle an diesem Tag nicht zu schlagen ist. Foto: C.-H. Zitzmann  

Sonneberg - Die Oberliga-Handballer des Sonneberger Handballvereins (SHV) sind in der 4. Liga angekommen. Nach drei erfolgreichen Spielen, in denen sie ungeschlagen blieben (ein Sieg, zwei Unentschieden), bekamen sie am vierten Spieltag der Mitteldeutschen Oberliga eine 26:38-Abreibung gegen den USV Halle. Und auch wenn dieser Gast vor dem Spiel sicher nicht ganz unberechtigt als "Durchschnittsmannschaft" angekündigt wurde, las er doch den Spielzeugstädtern in deren eigener Halle deutlich die Leviten.

Der USV startete durchwachsen in die Saison, stand mit 3:3 Punkten tabellarisch hinter den Südthüringern. Doch das Team, welches in der abgebrochenen Saison 2019/20 mit 21:21 Punkten den achten Platz belegte, zeigte sich als wahre Mannschaft. Die Hallenser spielten effektiv, robust, geschlossen und vor allem schnell. Bereits zu Spielbeginn setzten sie die Hausherren damit gehörig unter Druck.

Viele vermeidbare Fehler

Nach guten acht gespielten Minuten führten die Gäste bereits mit 10:3. Den Spielzeugstädtern fiel schon zu diesem Zeitpunkt relativ wenig ein. Was aber viel eklatanter war: Die Anzahl der eigenen, vermeidbaren Fehler war viel zu hoch. Technische Fehler und unsaubere Würfe bestraften die Gäste eiskalt und demonstrierten damit gleich zu Beginn Stärke.

Trainerin Ines Seidler hatte ihre Spieler perfekt vorbereitet. Vor allem SHV-Kapitän Marius Bondar lief sich in der gegnerischen Abwehr immer wieder fest und konnte nicht wie in den ersten drei Spielen auftrumpfen. Sonnebergs Trainer Konstantin Selenow wollte seinem Kapitän nach dem Spiel aber keine Schuld geben: "Marius hat viel versucht, hatte sicherlich das eine oder andere Mal Pech. Aber von seinen Nebenleuten kam diesmal einfach zu wenig!"

Der eigentliche Regisseur Cristian Bursuc wird immer schmerzlicher vermisst. Er laboriert noch an einer Meniskusverletzung. Im Spielverlauf wurde deutlich, dass die Übersicht fehlte, denn nicht nur einmal winkten die beiden Außenspieler, bekamen aber keinen Ball. Gemeint sind Justin Spörke und Anatoli Bulov. Der eine ist ein aufstrebender, junger Spieler, der bereits Bundesligaluft schnuppern durfte. Der andere ist als ehemaliger moldawischer Nationalspieler sowieso eine feste Größe im Sonneberger Spiel. Doch auch wenn beide nicht fehlerfrei waren, so versuchten sie zumindest, über schnelle beziehungsweise überraschende Würfe und Aktionen für Akzente zu sorgen. Aber dass sie zu wenig Bälle dafür erhielten, spiegelt die Probleme der Gastgeber wider.

Nach dem schnellen Sieben-Tore-Rückstand fingen sich die SHV-Mannen aber zumindest kurzzeitig wieder und kamen bis auf 12:14 (24. Minute) heran. Nach zwei Zeitstrafen in den Folgeminuten und einigen unglücklichen Aktionen später ging man aber dennoch mit einem 14:19-Rückstand in die Pause.

Einige der rund 160 anwesenden Fans kritisierten zwar einige Schiedsrichterentscheidungen, doch an den beiden Unparteiischen Domaschke/Löser aus Dresden lag es gewiss nicht. Die beiden ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Man merkte, dass sie bereits höherklassig unterwegs sind. Nicht umsonst dürfen sie demnächst das Bundesligaspiel zwischen Erlangen und Stuttgart pfeifen.

Trainer muss vorangehen

Die hohe Fehlerzahl und die Niederlage in der Endkonsequenz jedenfalls hatte nichts mit den Schiedsrichtern, sondern vielmehr mit dem Unvermögen der Hausherren zu tun. Wenn der 44-jährige Spielertrainer Manuel Müller mit seinen vier selbst erzielten Toren vorangehen muss, wirft das auf den Rest der Mannschaft kein gutes Licht - zu konfus und zerfahren blieb das Sonneberger Angriffsspiel.

Und auch in der Deckung bekam man nicht wie gewohnt einen Zugriff aufs Spiel. Den Gästen fiel immer wieder eine Lösung ein. Tizian Bittermann im Tor konnte einem schon fast leidtun. Immer wieder wurde er von seiner Abwehr im Stich gelassen und musste sogenannte 1:1-Situationen lösen. Freilich sah dies unglücklich aus, weil er viele Tore kassierte, doch am jungen Schlussmann aus Rödental lag es nicht, auch wenn er bereits zum zweiten Mal den verletzten Adrian-Tudor Radulescu vertreten musste. Wegen dessen Verletzung nahm sogar Vereinsvorsitzender Alexander Ebert noch einmal als Torhüter auf der Bank Platz, um zumindest einen Ersatzmann zu stellen. Auf einen Einsatz verzichtete die Sonneberger Bank aber.

Souverän spulten die routinierten Gäste ihr Pensum ab und lagen im zweiten Durchgang nach nicht einmal sechs gespielten Minuten bereits wieder mit neun Toren in Front (16:25). Bereits da war die Messe gelesen, auch wenn die Hausherren zwischenzeitlich noch einmal auf 21:28 verkürzen konnten. Eine Auszeit der Gäste in Minute 44 unterbrach diesen vermeintlichen Spielfluss der Sonneberger aber sofort wieder und der Rest der Partie ist schnell erzählt.

Halle demonstrierte Stärke und gewann am Ende völlig verdient und ungefährdet mit 38:26. Vielleicht war das Endergebnis etwas zu hoch, aber es spiegelte doch die Kräfteverhältnisse am zurückliegenden Samstagabend eindeutig wider.

Für die Spielzeugstädter heißt es nun: Mund abputzen und weitermachen! Und das ist leichter gesagt als getan, denn nächste Woche wird man beim Meisterschaftsanwärter in Plauen-Oberlosa erwartet. shv

 

Sonneberger HV - USV Halle 26:38 (14:19)

Sonneberg: Bittermann, Ebert, Radulescu; Ustymenko (2), Müller (4), Bondar (5/1), Kumogorodskyy (2), Dietrich, Spörke (5), Untu (1), Prikryl (1), Honcharov, Bulov (5), Levitskiy (1)

Schiedsrichter: Domaschke/Löser (HC Elbflorenz 2006); Strafwürfe: Sonneberg: 1/1; Halle: 3/4; Zeitstrafen: Sonneberg: 5; Halle: 1; Zuschauer: 160

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Martin Blechschmidt
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Veröffentlicht am:
18. 10. 2020
20:56 Uhr

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Martin Blechschmidt

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18. 10. 2020
20:56 Uhr