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Jenaer Bilanz nach Pokal-Aus: Mutig, aber auch wacklig

Wer sich zu viele Fehler leistet, fliegt aus dem DFB-Pokal. Das haben die Fußballer von Carl Zeiss Jena beim 2:4 gegen Union Berlin auf schmerzliche Weise zu spüren bekommen.



Aufstehen und weitermachen: Berlins Doppel-Torschütze Simon Hedlund hilft dem Jenaer Abwehrchef Dennis Slamar nach dem Pokalfight auf die Beine.
Aufstehen und weitermachen: Berlins Doppel-Torschütze Simon Hedlund hilft dem Jenaer Abwehrchef Dennis Slamar nach dem Pokalfight auf die Beine.   Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Jena - Die Kleinen ärgern die Großen, das ist der Reiz des DFB-Pokals. Natürlich hatte man auch beim FC Carl Zeiss Jena darauf gehofft, dem 1. FC Union Berlin in der Auftaktrunde des Cup-Wettbewerbs ein Bein stellen zu können. Es blieb jedoch beim frommen Wunsch, weil der Zweitligist den eine Klasse tiefer spielenden Gastgeber nicht einmal ansatzweise auf die leichte Schulter nahm und im mit 10 600 Zuschauern ausverkauften Ernst-Abbe-Sportfeld einen Auftritt hinlegte, den man im Fußballer-Deutsch als "seriös" bezeichnet. Dies mündete letztlich in einen 4:2-Erfolg der Hauptstädter.

"Ich bin froh, dass wir die schwierige Aufgabe gemeistert haben", sagte Urs Fischer, seit Saisonbeginn Trainer bei Union und zuvor in seiner Schweizer Heimat zweimal Meister mit dem FC Basel. "Ganz wichtig war, dass wir kurz vor der Pause die erneute Führung machen. In der zweiten Halbzeit war es dann eine klare Angelegenheit für uns. Da müssen wir den Sack früher zubinden."

Was Fischer in seiner Analyse nur am Rande erwähnte, war die erste Halbzeit, die wie einem Lehrbuch für Pokal-Fights entnommen schien. Schnelle Kombinationen, Tore hüben wie drüben, zwei Aufholjagden und ein spätes Drama - die Fans wurden bereits im ersten Teil der Partie für jeden Cent ihres Eintrittsgeldes entschädigt, denn sie sahen Fußball mit offenem Visier, vorgetragen von zwei zumindest phasenweise gleichwertigen Mannschaften. "Ich war beeindruckt von unserer Leistung in der ersten Halbzeit", lobte Mark Zimmermann, aus Bad Salzungen stammender Trainer des FC Carl Zeiss. "Wir haben mutig unser Spiel gestalten können, haben allerdings auch da schon gemerkt, dass es einen Unterschied gibt, wenn man dem Gegner zu viel Platz lässt. Das 2:3 durch den Elfmeter direkt vor der Pause hat uns dann richtig wehgetan."

Zuvor hatten die Jenaer ihre Moral unter Beweis gestellt und auf die Führungstore der Gäste (Andersson/
14., Kroos/29.) prompt reagiert. Zunächst köpfte Maximilian Wolfram (21.) das 1:1, dann erzwangen die Thüringer ein Eigentor von Trimmel (42.). Als jedoch Guillaume Cros ein Foul an Gogia im Strafraum beging und Hedlund (45.+4) vom Elfmeterpunkt zum 3:2 für Berlin traf, schien den Hausherren der Stecker gezogen worden zu sein. Danach bekamen sie kaum noch erwähnenswerte Aktionen auf die Reihe, was vor allem an der Qualität des Zweitligisten lag.

Die Kasse hat geklingelt

"Wenn man vier Tore kassiert, hat man kein Anrecht auf Erfolg", betonte Zimmermann und legte den Finger in die Wunde. In offensiver Hinsicht brauchte sich Jena nicht zu verstecken, doch die Defensive um den nicht immer souverän wirkenden Torhüter Jo Coppens war nicht gut genug, um eine Pokal-Überraschung heraufzubeschwören. "Wir haben es Union zu einfach gemacht und hätten als gesamte Mannschaft besser verteidigen müssen, denn vier Gegentreffer sind auch gegen einen starken Gegner zu viel", merkte Kapitän René Eckardt an. Torschütze Wolfram schlug in die gleiche Kerbe: "Ich denke nicht, dass Union eine Nummer zu groß für uns war. Aber drei oder vier individuelle Fehler gegen einen Zweitligisten darf man sich halt nicht leisten, dafür wird man bestraft." Da die Probleme bei der Spieleröffnung und hohen Flanken nicht zum ersten Mal auftraten und bereits im Ligaalltag für Unheil sorgten, lautete Wolframs unzweideutige Ansage: "Diese Sachen müssen wir schnellstens abstellen. Und in manchen Situationen müssen wir einfach mal den Ball wegschlagen."

Nichtsdestotrotz dürfte man sich in Jena trotz des Ausscheidens nicht lange grämen, denn in der Gesamtbetrachtung lieferte der Außenseiter ein gutes Pokalspiel gegen einen ebenso konzentrierten wie motivierten Rivalen ab. Außerdem klingelte es ordentlich in der Kasse. Der FC Carl Zeiss dürfte brutto rund 200 000 Euro eingenommen haben. Das ist für einen nicht auf Rosen gebetteten Drittligisten eine Stange Geld.

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Frank Hamatschek, ulk
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Veröffentlicht am:
20. 08. 2018
20:19 Uhr

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Frank Hamatschek, ulk

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Veröffentlicht am:
20. 08. 2018
20:19 Uhr