Sport

Hinrichtung des Ringers Nafid Afkari schockt Sportwelt

Trotz scharfer Proteste aus dem Ausland ist Ringer Navid Afkari im Iran hingerichtet worden. Das IOC zeigt sich ebenso geschockt wie viele Athleten und Menschenrechtler. Immer lauter werden die Forderungen nach Sanktionen gegen den Iran.



Protest
Die Hinrichtung des iranischen Ringers Navid Afkari führte auch in Deutschland zu heftigen Protesten.   Foto: Annette Riedl/dpa

Die Hinrichtung des Ringers Navid Afkari hat die Rufe nach einer Verbannung des Iran aus dem Weltsport neu entfacht.

Trotz internationaler Proteste war das Todesurteil gegen den 27-Jährigen nach Behördenangaben am 12. September im Gefängnis Adel-Abad in der südiranischen Stadt Schiras vollstreckt worden. Athleten-Verbünde und Menschenrechtler forderten Sanktionen gegen den Iran und nahmen auch das Internationale Olympische Komitee in die Pflicht. Der Iran verdiene «nicht länger das Privileg, an internationalen Wettbewerben teilzunehmen», mahnte die Sportler-Union «Global Athlete».

US-Außenminister Mike Pompeo verurteilte die Hinrichtung Afkaris als «abscheulichen Angriff auf die Menschenwürde». Bärbel Kofler, die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, zeigte sich «zutiefst bestürzt». Auch DOSB-Präsident Alfons Hörmann reagierte betroffen. «Wir haben kein Verständnis dafür, dass die Strafe vollzogen wurde, ohne dem Angeklagten einen fairen Prozess als eines der grundlegenden Menschenrechte zu gewähren», sagte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes. Die World Players Association versicherte: «Wir sind fest entschlossen, dass Navid sein Leben nicht umsonst verloren hat.»

Das IOC teilte mit, es sei «geschockt» über die «sehr traurige Nachricht». IOC-Präsident Thomas Bach habe zuvor per Brief Gnadengesuche an die politische Führung des Iran gerichtet. Wie schon zuletzt erwähnte das IOC aber auch, dass es die Souveränität des Landes respektiere. Von möglichen Sanktionen gegen den Iran ist nicht die Rede. Schon vor der Hinrichtung Afkaris hatten Sportler und Organisationen das IOC ermahnt, den Druck auf den Iran zu erhöhen und das Land aus der globalen Sportgemeinschaft auszuschließen.

Hierzu gehöre auch, «einen entsprechenden Sanktionsmechanismus in die Wege zu leiten. Es ist längst überfällig, dass sich die tief humanistisch geprägte olympische Bewegung zur Wahrung der Menschenrechte verpflichtet.»

Afkari hatte nach Angaben der iranischen Justiz bei einer Demonstration 2018 in der südiranischen Stadt Schiras einen Sicherheitsbeamten getötet. Er habe die Tat gestanden, hieß es. Der Sportler, seine Familie und Menschenrechtsorganisationen führten dagegen an, das Geständnis sei durch Folter erzwungen worden. Das Todesurteil war zuvor auch vom obersten Gerichtshof bestätigt worden. Der Iran wies die Kritik aus dem Ausland zurück und lehnte sie als Einmischung in innere Angelegenheiten ab.

Die Menschenrechts-Organisation Amnesty International konterte, die Hinrichtung «nach einem unfairen Prozess ist ein Hohn für die Gerechtigkeit und verlangt nach sofortigen internationalen Maßnahmen». Wie das IOC ließ auch der Ringer-Weltverband wissen, es sei «zutiefst verstörend», dass alle Proteste von Sportlern und die Bemühungen internationaler Verbände nicht zum Ziel geführt hätten. «Wir sind am Boden zerstört», teilte die IOC-Athletenkommission mit.

Der Verein Athleten Deutschland zeigte sich «zutiefst betroffen und schockiert». Der dreimalige Ringer-Weltmeister Frank Stäbler sagte: «Ich bin zutiefst geschockt und traurig.» Der frühere Top-Ringer Alexander Leipold schrieb bei Instagram: «In tiefer Trauer und völligem Unverständnis.» Und die frühere Weltmeisterin Aline Rotter-Focken sagte: «Es ist unfassbar und einfach enttäuschend wie hilflos man ist.»

Afkari wurde unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in der Nacht zum Sonntag beerdigt. Laut dem Menschenrechtsaktivisten Mehdi Mahmudian, der auch ein Freund der Familie Afkaris ist, durfte seine Familie nicht an der Beerdigung teilnehmen.

Über die bevorstehende Hinrichtung war Afkaris Anwalt Hassan Junessi vorab nicht informiert worden. «Zumindest hätte die Justiz eine letzte Begegnung Afkaris mit seiner Familie erlauben sollen. Ich verstehe diese Eile für die Hinrichtung nicht», twitterte Junessi.

In der Stadt Schiras seien zuletzt Spenden für die Familie des getöteten Beamten gesammelt worden. Mit diesem Blutgeld sollte die Familie dazu gebracht werden, von der Todesstrafe abzusehen.

Iranische Behörden hatten zuvor betont, Afkari habe einen unschuldigen Menschen ermordet. Das Urteil gegen ihn im Iran laute nicht Todesstrafe, sondern «Ghissas». Dies ist im islamischen Recht das Prinzip der Vergeltung, Blutrache oder Auge um Auge, worüber die Familie der Opfer entscheiden können.

Afkaris Brüder Vahid und Habib waren zu 54 und 27 Jahren Gefängnis und je 74 Peitschenhieben verurteilt worden. In den sozialen Netzwerken verurteilten tausende Iraner die Hinrichtung. Viele Nutzer forderten die Außenminister Deutschlands, Großbritanniens und Italiens auf, ihre für nächste Woche geplanten Treffen mit dem iranischen Chefdiplomaten Mohamed Dschawad Sarif abzusagen und ihn gar nicht in ihre Länder zu lassen.

© dpa-infocom, dpa:200913-99-541259/4

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Veröffentlicht am:
13. 09. 2020
15:29 Uhr

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