Sport

«Müssen uns verbessern»: Bayer-Kader bleibt eine Baustelle

In genau zwei Wochen endet die Wechselfrist für Fußball-Profis. Bei kaum einem anderen Bundesliga-Club könnte sich noch so viel tun wie bei Leverkusen. Das 0:0 in Wolfsburg zeigt: Den Verlust von Kai Havertz und Kevin Volland hat das Team noch nicht kompensiert.



Peter Bosz
Muss versuchen die Abgänge zu kompensieren: Leverkusens Trainer Peter Bosz.   Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Der Mann, über den nach dem mauen Bundesliga-Auftakt von Bayer Leverkusen alle sprachen, hatte keinen schönen Sonntagabend.

Er schoss nicht einmal aufs Tor und wurde schon zur Halbzeit ausgewechselt. Allein: Kai Havertz war bei dem 0:0 der «Werkself» beim VfL Wolfsburg gar nicht mehr dabei. Der deutsche Nationalspieler erlebte seine Enttäuschung rund 900 Kilometer entfernt bei der 0:2-Niederlage seines neuen Clubs FC Chelsea im Spitzenspiel der englischen Premier League gegen Meister Liverpool.

Bayer Leverkusen ohne Kai Havertz und auch ohne Kevin Volland (zu AS Monaco): Dass das zu einem sportlichen Problem werden könnte, haben die Meisten erwartet. Beim 0:0 in Wolfsburg wurde das nun auch zum ersten Mal sichtbar. «Nach vorne müssen wir uns verbessern», sagte Trainer Peter Bosz hinterher. Dem so häufig um seine Spielkultur und sein Angriffstempo beneideten Team fehlte an diesem ersten Bundesliga-Spieltag jegliche Offensivwucht.

Da von den rund 100 Millionen Euro, die Bayer 04 durch den Verkauf seines besten Spielers (Havertz) und seines besten Torschützen der vergangenen drei Jahre (Volland) eingenommen hat, bislang nur etwa 25 Millionen in den Transfer des tschechischen Nationalstürmers Patrik Schick reinvestiert wurden, ist der Leverkusener Kader genau zwei Wochen vor dem Ende der Wechselfrist am 5. Oktober noch eine der größten Baustellen der Fußball-Bundesliga. «Es werden noch ein paar Spieler auf uns zukommen. Es kann aber auch sein, dass uns noch ein paar Spieler verlassen. Wir sind da im Gespräch», sagte Bosz.

Wieviel Geld fließt jetzt in welche Mannschaftsteile? Das ist die große Frage. Geschäftsführer Rudi Völler stellte auch in Wolfsburg noch einmal klar, dass die Havertz-Millionen nicht in Gänze wieder für neue Spieler ausgegeben werden und dass auch kein 1:1-Ersatz für den deutschen Nationalspieler verpflichtet wird.

«Es sind schwierige Zeiten. Wir haben alle Einnahmeverluste», sagte Völler in einem Sky-Interview. Außerdem gibt der Transfermarkt auf Havertz' Position im offensiven Mittelfeld kaum etwas Vielversprechenderes her als die Spieler, die Bayer 04 ohnehin schon im Aufgebot hat: das 17-jährige Supertalent Florian Wirtz zum Beispiel. Oder die ebenfalls noch jungen Nadiem Amiri und Exequiel Palacios, die erst in der vergangenen Saison nach Leverkusen kamen.

Auch im Angriff wird der Europa-League-Teilnehmer vielleicht nur dann noch etwas tun, wenn die wechselwilligen Lucas Alario und Leon Bailey den Club noch verlassen sollten. Hier setzen Völler und Bosz darauf, dass der Ex-Leipziger Schick bald einschlagen wird und sich das gesamte Team nach der extrem kurzen Saisonvorbereitung noch einspielt. «Wir trainieren erst seit drei Wochen. Das ist nicht viel, um die Automatismen herzustellen. Ich bin mir sicher, dass wir uns noch verbessern werden», meinte der Trainer.

Geht es nach Peter Bosz, soll der Verein mit seinen Transfereinnahmen erst einmal die Schwachstellen beseitigen, die er schon zu Zeiten von Havertz und Volland ausgemacht hat: die Außenpositionen in der Abwehr. Dazu passt ein «Kicker»-Bericht, demzufolge die Leverkusener sich um Santiago Arias von Atletico Madrid bemühen. Der kolumbianische Nationalspieler ist ein Rechtsverteidiger.

© dpa-infocom, dpa:200921-99-643647/2

Veröffentlicht am:
21. 09. 2020
07:29 Uhr

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dpa

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21. 09. 2020
07:29 Uhr