Sport

Schneiders schwierige Trainersuche: Wer tut sich Schalke an?

Der Trainerjob beim FC Schalke 04 ist nach der Beurlaubung von David Wagner alles andere als reizvoll. Sportchef Schneider steht unter Druck. Ralf Rangnick hat bereits abgewunken, als Top-Kandidat wird der frühere Augsburger Manuel Baum gehandelt.



Jochen Schneider
Die Schalker Führungsetage um Jochen Schneider (2.v.l.) verfolgt die Partie gegen Bremen.   Foto: Guido Kirchner/dpa

Jochen Schneider ist nicht zu beneiden. Der Sportchef des sportlich und finanziell schwer angeschlagenen FC Schalke 04 muss eine kaum zu lösende Aufgabe bewältigen.

Sonst dürfte es für den 50-Jährigen bald selbst ungemütlich werden: Einen geeigneten und bezahlbaren Trainer zu finden, der nicht am Ende wieder vor diesem Verein, dem schwierigen Umfeld und dem Kader kapituliert. Ralf Rangnick hat als erster namhafter Trainer bereits abgewunken, wobei dessen erneute Verpflichtung nach 2004 und 2011 ohnehin kaum denkbar war. «Ich kann mir zurzeit überhaupt nicht vorstellen, ein drittes Mal zu Schalke 04 zu kommen, und schon gar nicht als Trainer, der kurzfristig die Negativ-Serie beenden soll», sagte Rangnick der Funke-Mediengruppe.

Spätestens da war klar, wie schwierig Schneiders Aufgabe nun ist, einen Nachfolger für den am Sonntag geschassten David Wagner zu finden. Am Montagnachmittag tagte der Aufsichtsrat des Clubs - turnusmäßig. Mit einer schnellen Entscheidung war nicht zu rechnen. Die erste Einheit der Woche am Dienstag in der Vorbereitung auf das Spiel am Samstag gegen RB Leipzig sollen nach dpa-Informationen die Athletiktrainer Werner Leuthard und Quirin Löppert leiten.

Trotz seines bitteren Endes auf Schalke richtete Wagner am Montag noch einmal bedauernde Worte an den Club und seine Fans. «Wir hatten überaus erfolgreiche erste sieben Monate. Leider ist es mir danach nicht gelungen, die Negativserie zu stoppen und die Trendwende einzuleiten. Dafür trage ich die volle Verantwortung», sagte Wagner.

Das Ende des zunächst wie ein Messias gefeierten, zum Schluss aber allein gelassenen 48-Jährigen ist kein Einzelfall auf Schalke. «Ich habe David Wagner auch geschrieben, dass es mir leid tut, dass er es nicht geschafft hat und Schalke ihn geschafft hat - wie so viele andere Trainer vor ihm», sagte S04-Legende Olaf Thon dem WDR-Hörfunk.

Wagner, Domenico Tedesco, Markus Weinzierl, André Breitenreiter, Roberto di Matteo, Jens Keller - nahezu jeder Trainer seit 2012 hatte entweder von Beginn an einen schweren Stand oder erlebte nach einem vielversprechenden Beginn einen beispiellosen Absturz. Selbst renommierte Trainer scheinen sich daher zu fragen, ob sie sich den Job beim schlechtesten Bundesliga-Teams des Jahres 2020 überhaupt antun würden, wie man an Rangnicks Absage erkennt.

Der hatte am Wochenende zunächst bei Sky seine Sympathien für Schalke bekundet und betont: «Ich bin frei.» Dies sei «aber alles andere als eine Bewerbung» gewesen, bekräftigte Rangnick einen Tag später. Die Entscheidung über die Wagner-Nachfolge könnte sich nun noch hinziehen. «Bei der Entscheidung steht Qualität vor Geschwindigkeit», sagte Schneider, der selbst in der Kritik steht.

An Wagner trotz der schlechtesten Rückserie der Club-Historie mit 16 sieglosen Spielen festzuhalten und den angeschlagenen Coach dann nach nur zwei Saisonspielen mit weiteren Niederlagen und 1:11 Toren zu schassen, ließ unangenehme Fragen aufkommen. «Man hätte es natürlich nach der vergangenen Saison machen können. Das nehme ich auf meine Kappe, ohne Wenn und Aber. Ich würde es aber noch einmal so machen», sagte Schneider der Funke Mediengruppe.

Problematisch und möglicherweise abschreckend für Trainer-Kandidaten könnte auch die Personalpolitik Schalkes und die finanzielle Lage sein. Weil nach zwei Spielzeiten ohne Europapokal-Qualifikation und coronabedingt kein Geld für kostspielige Transfers drin war, musste Wagner zuletzt schon auf Spieler setzen, die zuvor bereits ausgemustert waren. Dass dies nicht funktionieren konnte, schien vorhersehbar. Schneider will nun jemanden finden, der aus dem Kader, der nicht optimal zusammengestellt scheint, mehr herausholt.

«Die Fragen, die wir stellen, lauten: Was für einen Typen braucht die Mannschaft? Und welche Typen sind verfügbar?», sagte Schneider, der vor allem auch beantworten muss, wer überhaupt bezahlbar ist. Der einstige Champions-League-Dauergast muss inzwischen die Personalkosten drastisch herunterfahren, Wagner und sein Trainerteam zunächst aber noch weiter bezahlen. Der 48-Jährige hat noch einen Vertrag bis 2022, es gibt bislang keine Abfindungsregelung.

Als Favorit auf seine Nachfolge gilt derzeit der frühere Augsburger und aktuelle deutsche U20-Nationaltrainer Manuel Baum. Dies dürfte auch eher zu dem passen, was Schalke bezahlen kann. Als weitere Kandidaten wurden Dimitrios Grammozis, Sandro Schwarz und Valérien Ismaël gehandelt.

© dpa-infocom, dpa:200927-99-732298/7

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Veröffentlicht am:
28. 09. 2020
17:05 Uhr

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28. 09. 2020
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